Gymnasium Riedenburg und seine Knaben

Vorarlberg / 12.11.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Buben und Mädchen in der 2c des Privatgymnasiums Riedenburg. Aus der ehemals reinen Mädchenschule ist eine Bildungsstätte mit gemischten Klassen geworden. VN/STEURER

Seit knapp eineinhalb Jahren ist aus der Mädchenschule eine mit Mädchen und Buben geworden. Zur allgemeinen Freude.

Bregenz Direktor Gebhard Hinteregger (64) will gar nicht mehr aufhören, die Zeitenwende an der Riedenburg zu preisen. „Die Buben haben hier viel frischen Wind hereingebracht und einen sehr positiven Einfluss auf die Schule genommen“, schwärmt der Schulleiter. „Die Burschen sind mutiger, sie beziehen klare Positionen. Sie sind direkter, haben aber auch kein Problem damit, sich sofort zu entschuldigen, wenn sie einmal einen Blödsinn gemacht haben“, zählt Hinteregger die Vorzüge der neuen „Menschengattung“ im Privatgymnasium auf.

Die Buben haben sehr viel frischen Wind in unsere Schule gebracht.“

Gebhard Hinteregger, Direktor PG Riedenburg

Nervig, lustig, zickig

Lokalaugenschein in der 1c im oberen Stock. Dort sitzen Nikolai, Noah, Nick und Oskar vereint in der ersten Reihe. Die Mädchen sind um sie herum. Es geht konstruktiv lebhaft zu in der Englischstunde mit Professorin Rosi Hammerer. Man nimmt Uhrzeiten und Wochentage durch. Mädchen und Buben beweisen ein beeindruckendes Niveau.

In kleiner Runde sprechen die Kinder offen und ehrlich übereinander. „Manchmal sind die Buben schon ein bisschen nervig, aber anderseits auch lustig und lässig“, sagt Ella über die kleinen Herren der Schöpfung an der Riedenburg. Der Konter von Oskar: „Und die Girls sind ab und zu zickig.“ Das gemeinsame Kichern verrät, dass man sich grundsätzlich mag, auch wenn Elona mit einem Grinser im Gesicht befindet: „Die Buben sind halt einfach gelegentlich überfordert.“

Nicolai hat bei seinen Fußballerkumpeln gelegentlich Erklärungsbedarf. „Da werde ich schon gelegentlich blöd angeredet, dass ich in einer Mädchenschule sei.“ Er hält es aus.

Bruch mit der Tradition

Der im Schuljahr 2018/2019 eingeleitete Bruch mit der Tradition mag im Sacré Coeur Riedenburg als historisches Ereignis dramatisch erscheinen, in der gelebten Realität des Schulalltags ist nichts dramatisch.

Das bestätigt auch ein Besuch in der 2c. Dort befinden sich sieben Buben inmitten der munteren Mädchenschar. Dazu gehören Dominik, Julian und Maurice, die den VN vor ihrem Eintritt ins Gymnasium Riedenburg im Schuljahr 2018/2019 über ihre Befindlichkeit berichteten.

„Es geht mir gut“, verrät Dominik. „Die Lehrer sind cool, die Fächer ebenso, und auch die Mädchen“, grinst der Jüngling verschmitzt. „Wir haben ja viele der Mädels schon von der Volksschule her gekannt“, wirft Julian ein und unterstreicht die Selbstverständlichkeit seiner schulischen Existenz in einer gemischten Klasse.

Wohlbefinden in der Uniform

„Meine Mama wollte, dass ich in die gemischte Klasse gehe“, teilt Antonia mit. Die Mama hatte wohl recht, denn Antonia fühlt sich mit den Buben so wohl wie Kayra. Dass Mädchen und Buben einheitliche Kleidung tragen, gefällt Kayra aus einem simplen Grund. „Das erspart mir in der Früh eine halbe Stunde. Ich muss nicht lange überlegen, was ich anziehe.“

Während Mädchen und Buben sich in den gemischten Klassen am Gymnasium Riedenburg pudelwohl fühlen, trifft das nicht auf alle Lehrer zu. „Einige Kollegen sind durch die neue Situation schon besonders gefordert“, räumt Hinteregger ein. Seiner Freude über die Öffnung der Schule für Buben tut das jedoch keinen Abbruch.