Wie sich die Erderwärmung aufs Heizen auswirkt

Vorarlberg / 18.11.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN/ARCHIV

Erderwärmung macht sich im Wohn- und vor allem auch im Bürobereich bemerkbar.

Johannes Huber

SCHWARZACH In den vergangenen 60, 70 Jahren ist es hierzulande um rund zwei Grad wärmer geworden, erinnert Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Geodynamik und Meteorologie (ZAMG). Eine ganz konkrete Folge davon ist, dass allein von daher weniger geheizt werden muss. Einerseits. Anderseits gibt es immer mehr warme und heiße Tage und das führt wiederum dazu, dass auch in Vorarlberg immer mehr Klimaanlagen eingesetzt werden, wie Thomas Roßkopf vom Energieinstitut bestätigt. Doch eines nach dem anderen.

Der Heizbedarf ist eine abstrakte Größe, die durch die sogenannte Heizgradtagsumme ausgewiesen wird. Zu ihrer Berechnung werden die Temperaturen an Tagen mit weniger als zwölf Grad erfasst. Wie auch immer: Je höher die Summe ist, desto größer ist der Heizbedarf. Umgekehrt gilt: Je niedriger die Summe ist, desto weniger muss diesen Annahmen zufolge geheizt werden.
Die ZAMG hat den VN die Jahreswerte für Bregenz, Warth und Langen übermittelt, soweit sie seit 1950/51 vorhanden sind. Das Ergebnis zeigt, dass die Tendenz sinkend ist. Vergleicht man die Perioden bis 1969/70 und seit 2000/01 miteinander, beträgt der Rückgang gut 15 Prozent. Die Erderwärmung lässt grüßen.

Im Einzelfall ist der Heizbedarf freilich nicht nur von der Außentemperatur abhängig. Es gibt eine Reihe weiterer Einflussfaktoren. Beispiel eins: die Innentemperatur. Laut Thoms Roßkopf beträgt sie in Neubau-Geschosswohnungen erfahrungsgemäß rund 22 Grad und in Altbauten durchschnittlich eher 20 Grad. Beispiel zwei: die Isolierung. Bei älteren Gebäuden, bei denen sie noch kaum vorhanden ist, muss man bald einmal heizen. Bei modernen Häusern mit guter Wärmehülle geht’s aber durchaus auch bei zehn Grad Außentemperatur ohne, so Roßkopf – zumindest wenn’s tagsüber milder wird und sich im Übrigen auch noch die Sonne bemerkbar macht.

Die allgemeine Erwärmung klingt soweit alles andere als problematisch. Mit ihr gehen aber auch immer mehr Hitzetage und Tropennächte einher. Das sind Tage mit mehr als 30 Grad und Nächte, in denen es nicht und nicht unter 20 Grad abkühlen will. Sie führen zu einer steigenden Nachfrage nach Klimaanlagen. Sie sind allzu oft wahre Stromfresser. Roßkopf verdeutlicht das anhand der Faustregel, dass der Strombedarf fürs Kühlen um 25 bis 30 Prozent größer ist als fürs Heizen. Immerhin wird eher in Zeiten mit viel Sonne gekühlt, sodass Photovoltaikanlagen dafür eingesetzt werden können.

In Büros sind Kühlanlagen laut Roßkopf auch in Vorarlberg zum Standard geworden. Ja, es gehe soweit, dass übers Jahr gerechnet schon mehr gekühlt als geheizt werde. Grund: Nicht zuletzt Computer sorgen als eine Art Heizkörper dafür, dass auch in der Übergangsperiode Klimaanlagen aufgedreht werden; von den Sommermonaten ganz zu schweigen.