Auftakt beim Mordprozess in Innsbruck

Vorarlberg / 21.11.2019 • 12:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Um 9 Uhr wurde der mordverdächtige Angeklagte Nasi Ahmad H. in den Schwurgerichtssaal in Innsbruck geführt. Er schweigt zu den Vorfällen. VN/HÄMMERLE

Mordfall Michael Perauer: Beschuldigter schweigt. Staatsanwältin beantragte Unzurechnungsfähigkeit.

Innsbruck Im vollbesetzten Schwurgerichtssaal des Innsbrucker Landesgerichts begann heute der Prozess gegen jenen 25-jährigen Afghanen, der den Bregenzer Michael Perauer vor einem Jahr auf der Innsbrucker Bogenmeile erstochen haben soll.

Am 25. November war Michael Perauer mit acht seiner Freunde auf der als Ausgehviertel bekannten Bogenmeile unterwegs. Als sie gegen 1.15 Uhr das Lokal wechseln wollten, wurde Perauer, der als letzter der Gruppe auf der Straße ging, von hinten mit einem spitzen Gegenstand angegriffen und in den Hals gestochen. Er erlag kurz darauf seinen schweren Verletzungen.

Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal geführt.

Als Verdächtiger wurde schnell der 25-jährige Afghane Nasi Ahmad H. ermittelt. Bei seiner Einvernahme zu Beginn des Prozesses entschlug sich der Beschuldigte jeglicher Aussage. Staatsanwältin Gertraud Pfeifenberger begründete die offensichtliche Unzurechnungsfähigkeit des abgelehnten Asylwerbers. Er habe widersprüchliche Angaben gemacht und dabei diese Widersprüchlichkeiten nicht einmal erkannt. Er weise eine soziale Unverträglichkeit auf. Nasi Ahmad H. zeige deutliche Symptome von Schizophrenie und sei durch seine Krankheit gefährlich für die Gesellschaft, meinte die Anklägerin.

„Der kleine Afghane“

Die ersten geladenen Zeugen waren zwei Begleiter des Getöteten sowie ein Zimmerkollege des Angeklagten. Zeuge Fabian S. gab an, er sei direkt vor Perauer gegangen, als die Tat geschah. Dieser habe sich an den Hals gegriffen, von wo große Mengen Blut quollen. „Ich habe versucht, die Wunde zu stillen, aber das ging nicht“, sagte S. dem Gericht. Zum Tathergang habe er keine Wahrnehmung gemacht, erklärte S. „Ich habe nur gesehen, wie jemand schnell weggelaufen ist.“ Erinnern konnte sich S. auch noch an die letzten gesprochenen Worte des Opfers. „‘Der kleine Afghane‘, sagte Michi noch.“ Kurz danach sei er zusammengebrochen.

Die Vorarlberger Anwälte stehend im Hintergrund (v. l.): Martin Ulmer, Florin Reiterer, Thomas Kaufmann und Stefan Denifl. VN/HämmerlE
Die Vorarlberger Anwälte stehend im Hintergrund (v. l.): Martin Ulmer, Florin Reiterer, Thomas Kaufmann und Stefan Denifl. VN/HämmerlE

Der zweite Zeuge, Julius M., gab gegenüber Richterin Martina Eberherr an, den Beschuldigten kurz vor der Tat mit ziemlicher Sicherheit erkannt und ihm dabei kurz ins Gesicht gesehen zu haben. „Er zupfte die Augenbrauen zusammen und sah sehr unfreundlich aus“, sagte M.

Videos gezeigt

Einvernommen wurde auch der sudanesische Zimmerkollege von H. Er habe mit dem Verdächtigen kaum Kontakt gehabt, betonte Elobeid E. In der Tatnacht sei er gegen halb drei aufgewacht und habe dabei registriert, dass H. nicht zu Hause war. Kurz darauf sei die Polizei gekommen.

Nach einer ersten Pause wurden Videoaufzeichnungen aus dem Umfeld des Tatortes sowie vom Bahnhof gezeigt. Sie sollen den Tatverdächtigen zeigen. Er sei vor und nach der Tat als einzige Person im Umfeld der Gruppe nahe dem Tatort zu sehen gewesen, hielt die Staatsanwältin fest. Sachverständige werden die Videoaufnahmen nun genau analysieren.