Herumgemosert: Freiheitliche Freundschaften

Vorarlberg / 30.11.2019 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
APA
Moritz Moser

Heinz-Christian Strache hat in den vergangenen Tagen Frank Stronach getroffen und der Wiener FPÖ eine Kampfkandidatur um den Vorsitz „angeboten“. Beobachter spekulieren über eine selbständige Kandidatur Straches bei der nächsten Wahl.

Als FPÖ-Obmann reagierte Strache auf neue Parteien wenig verständnisvoll. So schürte er 2006 Befürchtungen, das BZÖ könnte zum Projekt Frank Stronachs werden und nannte es dessen Privatpartei. „Man liebt bekanntlich den Verrat, jedoch niemals den Verräter“, hatte Strache in einer Aussendung prophezeit. Nach der Gründung des Team Stronach warnte er davor „auf die Schalmeienklänge des Frank Stronach hereinzufallen“. Der Milliardär habe „ein Millionenprojekt nach dem anderen in den Sand gesetzt“ und verfolge „doch nur geschäftliche Interessen.“ Strache weiter: „Ich bin nicht käuflich.“ Mittlerweile ist es FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl, der ihn nach seinem Treffen mit dem Austrokanadier davor warnt, mit Stronach „Schiffbruch“ zu erleiden. Ambivalent, so offenbart das Archiv, war auch das Verhältnis zum Kärntner BZÖ. Strache sei ein „Handlanger der großen Koalition“ und werde „immer mehr zum Handlanger der Linken“, so BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch 2006. Außerdem sei „Strache nicht mehr ernst zu nehmen“ und der „Neonazi Küssel aktiver Strache Unterstützer“. Die Blauen wiederum richteten Scheuch aus, ihn werde in Wien niemand vermissen: „Aber Kärnten hat ihn auch nicht verdient.“ Die FPÖ, so wiederum Scheuch, entwickle sich „zu einem Sammelbecken aus Alt-Nazis“ schließlich sei Strache „schon in seiner Jugendzeit rechtsextremistisch aufgefallen“.

Im Dezember 2009 verkündeten Strache und Scheuch dennoch die Kooperation ihrer Parteien. Der Ton änderte sich danach schlagartig. Nach Wahlen sandte Scheuch seine „Gratulation an HC Strache und sein Team“. Strache wiederum ließ die Kärntner wissen, er zolle „auch Uwe Scheuch, der sich einer noch nie dagewesenen Hetzjagd ausgesetzt sieht“ Respekt. Scheuch wurde schließlich wegen Geschenkannahme durch Amtsträger und Untreue verurteilt – die FPÖ hatte ihn deswegen noch im Februar 2009 angezeigt.

Vor der Kärntner Wahl 2013 verkündete Strache: „Mit Landesvater Gerhard Dörfler und seinem Team sieht das Land in eine positive Zukunft.“ Nach der Niederlage zog Dörfler in den Bundesrat ein, dessen Abschaffung er einst gefordert hatte. Er werde in der Länderkammer „wichtige politische Impulse für Kärnten, aber auch über Kärntens Grenzen hinaus setzen“, verkündete Strache. Dörfler stellte in seinen vier Jahren im Bundesrat drei mündliche Anfragen und keinen einzigen Antrag. Später wurde er unter anderem wegen Untreue verurteilt, auch ihn hatte die FPÖ angezeigt.

Moritz Moser stammt aus Feldkirch, lebt und arbeitet als Journalist in Wien. Twitter: @moser_at