Götzner Politstreit um Kiesmillionen

Vorarlberg / 07.12.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Feld, auf dem der Kies abgebaut werden soll, gehört zum Götzner Hof. Grundbesitzer ist die Marktgemeinde Götzis. Bisher ging man davon aus, dass die Einnahmen von Altach und Götzis geteilt werden, nach welchem Schlüssel ist noch unklar. VN/HARTINGER

Grüne Liste Götzis stellt Teilung des Erlöses mit der Gemeinde Altach in Frage, weil es dafür keine erkennbare Gegenleistung gebe.

Gernot Schweigkofler

Götzis, Altach Am vergangenen Wochenende stimmten die Altacher im Rahmen einer Volksabstimmung deutlich den Plänen zu, im Bereich des Sauwinkels, auf einer großen Wiese des Götzner Hofs, Kies abzubauen. Neben dem Verkehr stand bereits im Vorfeld auch immer das Thema Erlös im Fokus, denn bis dato gibt es keine Vereinbarung zwischen der Gemeinde Altach als Standortgemeinde und dem Grundbesitzer, der Marktgemeinde Götzis. Im Raum stand eine Teilung der auf 35 Millionen Euro geschätzten Erlöse zu einigermaßen gleichen Anteilen, so wurde das von der Gemeinde Altach kommuniziert, ohne dass aus Götzis bislang Widerspruch zu hören gewesen wäre.

„Es geht um Götzner Kies“

Jetzt meldet sich aber die Grüne Liste Götzis zu Wort. „Es geht um Götzner Kies“, heißt es in einer Aussendung von Gemeinderat Thomas Ender. „Bis heute konnte niemand einen plausiblen Grund nennen, warum Götzis – nach Bezahlung aller Kosten für Kiesabbau und Deponie, inklusive Projektbetrieb durch Altach – vom restlichen Erlös einfach so etwas abgeben soll“, schreibt er in einer Aussendung. Unter dem Argument der regionalen Zusammenarbeit würde über einen Schlüssel zur Aufteilung des Erlöses – in Enders Augen ein Geschenk an Altach – gesprochen. Es sei aber kein Regionsprojekt, sondern ein Geschäft zwischen Götzis und Altach. In den Verhandlungen, die bisher nicht wirklich in Gang gekommen seien, müsse jedenfalls argumentiert werden, für welche Leistungen Altach allenfalls Geld zustünde. Bürgermeister Christian Loacker mache dem Altacher Bürgermeister ein 15 Millionen Euro schweres Abschiedsgeschenk, dafür habe niemand Verständnis.

„Der Wahlkampf geht los“

Kein Verständnis für die Aussendung zeigt der angesprochene Bürgermeister von Götzis. „Der Wahlkampf geht offensichtlich los“, glaubt er an ein wahltaktisches Manöver. „Ich nehme das nicht so ernst.“ Die Grüne Liste sei in die Verhandlungen einbezogen, ärgert sich Loacker, und wisse deshalb genau über den Stand Bescheid. Eine 50:50-Aufteilung sei der Wunsch aus Altach, wenn man dem genau so zustimmen würde, dann wären die Verhandlungen bereits beendet. „Wahrscheinlich sind die Grünen über das Ergebnis der Volksabstimmung enttäuscht, dass sie sich jetzt so zu Wort melden“, macht Loacker seinem Ärger Luft. Er glaubt, dass es am besten wäre, die Aufteilung erst nach den Gemeindewahlen zu beschließen, denn dann könne man „hoffentlich wieder sachlich miteinander reden“.

Altachs Bürgermeister Gottfried Brändle meint, dass das Altacher Kiesprojekt als große Chance für beide Gemeinden beurteilt werden sollte. Das gelte für das gemeinsame Tun als Nachbar- und Regionsgemeinden, sowie in der Frage der Nachhaltigkeit und des wirtschaftlichen Nutzens. Brändle weist darauf hin, dass das Projekt nur dann umsetzbar ist, wenn sich beide Gemeinden vertraglich einigen. „Gelingt diese Einigung nicht, wird keine der beiden Gemeinden Nutzen aus dem Projekt ziehen können“, warnt er. Aber Brändle ist überzeugt, dass es zu einer Einigung kommt und das Vorhaben als gelungenes Gemeinschaftsprojekt umgesetzt wird.