Verträge gekündigt: Bald keine Reha mehr im Ausland

Vorarlberg / 16.12.2019 • 17:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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PVA kündigte alle Verträge. Für Vorarlberger Patienten konnten zwei Reha-Kliniken in der deutschen Nachbarschaft gerettet werden.

Dornbirn Eine Flut von Kündigungsschreiben hat in den vergangenen Monaten die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) verschickt. Adressaten waren sämtliche ausländischen Rehabilitations-Einrichtungen, in denen österreichische Patienten therapiert werden. Von den Einschränkungen betroffen sind ab dem kommenden Jahr auch Patienten aus Vorarlberg. Das bestätigte der stellvertretende PVA-Obmann Manfred Brunner auf VN-Nachfrage. Insgesamt acht Reha-Kliniken im benachbarten Deutschland nahmen bislang Patienten aus Vorarlberg auf. Künftig werden es nur noch zwei sein. „Mit den Waldburg-Zeil Kliniken Schwabenland und Im Hofgarten ist es gelungen, wenigstens die beiden für unsere Patienten wichtigsten Nachbareinrichtungen zu erhalten“, betont Brunner. Sie sind damit die einzigen ausländischen Kliniken, die nicht aus dem PVA-Vertrag flogen. Die Maßnahme dient offenbar der Stärkung der Standorte in Österreich.

Ambulantes Reha-Zentrum

Der Kündigungswelle zum Opfer gefallen sind die psychiatrischen sowie neurologischen Reha-Häuser im Nahbereich. Während es für psychiatrische Patienten bald eine Lösung im Land gibt, müssen neurologische Patienten künftig in Einrichtungen in anderen Bundesländern ausweichen. In diesem Bereich soll ein für 2020 geplantes ambulantes Reha-Zentrum in Bregenz die Situation zumindest ein bisschen entschärfen. Die neurologische Reha betrifft eine eher kleine Personengruppe. So wurden beispielsweise von Jänner bis März 39 Patienten in die Einrichtungen überwiesen. Im gesamten Jahr 2018 waren es 80 Patienten. „Die Kündigung der psychiatrischen Reha-Kliniken war insofern akzeptabel, weil wir für Vorarlberg 62 der 88 Reha-Betten der Versorgungszone West zugeteilt erhielten“, erklärt Manfred Brunner. Diese Betten werden im Reha-Zentrum Montafon in Schruns stehen. „Damit können wir den Bedarf künftig im Land selbst decken“, ergänzt Brunner.

Bedarf nicht zu decken

Die Kündigung der Verträge mit den Kliniken Schwabenland (Isny) und Im Hofgarten (Bad Waldsee) wäre laut dem stellvertretenden PVA-Obmann allerdings eine Katastrophe gewesen. Diese Kliniken bieten eine orthopädische und kardiologische Nachsorge an. Allein im vergangenen Jahr wurden 970 Patienten dorthin zugewiesen. In den ersten drei Monaten des heurigen Jahres waren es bereits 260. Fast gleich viele Patienten aus Vorarlberg mit den Indikationen Orthopädie und Herz-Kreislauf nimmt das Reha-Zentrum Montafon in Schruns auf. „Ohne die benachbarten Kliniken könnten wir den Bedarf in diesen medizinischen Bereichen gar nicht decken“, merkt Manfred Brunner an. Mit diesem Hinweis argumentierte er in einem Schreiben an die PVA auch seine Vorbehalte gegen die radikalen Kündigungen. Die Verträge mit den Kliniken Schwabenland und Im Hofgarten müssten im Sinne der Vorarlberger Versicherten aufrechterhalten werden. Das Reha-Zentrum Montafon könne nicht doppelt so viele Patienten aufnehmen.

Andere vertragliche oder eigene Einrichtungen speziell im Bereich Herz-Kreislauf-Rehabilitation liegen in Tirol und Salzburg und werden von Vorarlbergern aufgrund der Entfernung nicht gerne angenommen. Gleiches gilt für die nächstgelegene Reha-Einrichtung für orthopädische Probleme, die in Kitzbühel steht. Nach Bekanntwerden der Kündigungspläne habe er, Brunner, sofort intensive Gespräche mit den zuständigen Stellen geführt. „Bis die Vamed mit dem Reha-Zentrum Montafon kam, gab es im Land nie eine Vertragseinrichtung. Wir mussten uns immer andere Wege suchen“, begründet Manfred Brunner seine Intervention. Handeln ließ ihn auch der Umstand, dass Vorarlberg nach der Kassenzentralisierung nicht mehr in den Wiener PVA-Gremien vertreten sein wird. „Jetzt heißt es doppelt wachsam sein“, meint Brunner.

Die Landespolitik wurde von FPÖ-Gesundheitssprecher Hubert Kinz auf die drohende Vertragskündigung von Reha-Kliniken aufmerksam gemacht. „Der Gesundungsprozess lebt auch von der sozialen Umgebung“, sagt Kinz. Ende Jänner soll es zu diesem Thema ein Treffen mit Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher geben.