Das Christkind kam ins Lerncafé der Caritas

Vorarlberg / 19.12.2019 • 09:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Havin freut sich sehr über die Popcorn-Maschine. "Jetzt kann ich jeden Tag Popcorn machen."<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Havin freut sich sehr über die Popcorn-Maschine. "Jetzt kann ich jeden Tag Popcorn machen." VN/Paulitsch

Bei der Weihnachtsfeier in einem Lerncafé der Caritas wurden die Kinder reich beschenkt.

Schwarzach Die 13 Kinder geben sich beim Lernen redlich Mühe. Aber sie sind kribbelig und heute nicht so recht bei der Sache. Das liegt daran, dass um 15 Uhr, also in einer Viertelstunde, die Weihnachtsfeier beginnt. Dann findet auch eine Bescherung statt. Die Kinder wissen: Gleich bekommen sie von Robert Bodemann (49), einem der Koordinatoren der Lerncafés, das Weihnachtsgeschenk, das sie sich gewünscht haben.

Briefe ans Christkind

Bereits im Oktober schrieben die Schüler einen Brief ans Christkind, in dem sie ihren Herzenswunsch deponierten. Die Briefe wurden in die Zentrale der Caritas in Feldkirch gebracht. Hilfsbereite VorarlbergerInnen sorgen dafür, dass die Christkindl-Aktion der Caritas, bei der Weihnachtswünsche von Kindern erfüllt werden, funktioniert.

Engagierte Menschen lassen sich einen Wunschzettel schicken und kaufen dann das gewünschte Geschenk ein. Dann schicken sie es, schön eingepackt, per Post an die Caritas in Feldkirch oder bringen es dort vorbei. Caritas-Mitarbeiter sorgen schließlich dafür, dass jedes Kind das von ihm gewünschte Geschenk bekommt. Im vergangenen Jahr war es durch die Hilfe vieler hilfsbereiter VorarlbergerInnen möglich, über 600 Christkindl-Wünsche zu erfüllen.

„Ich wünsche mir vom Christkind, dass keiner von euch einen Fünfer im Zeugnis hat.“

Robert Bodemann, Koordinator eines Caritas-Lerncafés

Nach der Lernstunde naschen die Kinder am Gemeinschaftstisch Kekse, Erdnüsse und Mandarinen. Dann stimmt Robert ein Weihnachtslied an. Die Kinder singen brav mit. Bevor es zur Geschenk-Übergabe kommt, spricht Robert noch einen Wunsch aus: „Ich wünsche mir vom Christkind, dass keiner von euch einen Fünfer im Zeugnis hat.“

„Weihnachten ist ein schönes Fest“

Aline (11) bekommt leuchtende Augen, als ihr Robert ein großes Geschenk überreicht. Hektisch reißt sie das Geschenkpapier ab. Zum Vorschein kommt ein riesiger Teddybär. Genau so einen hat sie sich gewünscht, „weil man sich da voll rein kuscheln kann“. Für Aline ist Weihnachten damit schon gerettet. Einmal war das Mädchen vom Christkind enttäuscht. „Ich war sechs. Da wünschte ich mir von ihm Drachen-Marshmallows. Aber ich habe sie nicht bekommen.“

Das Christkind brachte Aline einen XXL-Teddy.
Das Christkind brachte Aline einen XXL-Teddy.

Inzwischen ist sich die Elfjährige gar nicht mehr sicher, ob es das Christkind überhaupt gibt. „Ich glaube, dass die Eltern die Geschenke unter den Christbaum legen.“ Trotzdem hat Aline eine konkrete Vorstellung vom Christkind. „Es ist klein, hat lockige Haare und schimmert golden.“ Das Kind findet, dass Weihnachten ein schönes Fest ist: „Die Familie kommt zusammen und man ist aufgeregt wegen der Geschenke.“ Aus genau diesen Gründen freut sich auch Elias (14) jedes Jahr auf Weihnachten. „Außerdem gibt es da etwas zu essen, was es unterm Jahr nicht gibt.“ Voriges Jahr fand er Weihnachten besonders schön. „Da bekam ich von meinem älteren Bruder einen Game-Controller geschenkt.“

Jeden Tag Popcorn

In Havins (10 ) Familie hingegen wird Weihnachten nicht gefeiert. Denn Havin und ihre Familie gehören einer anderen Religion an. „Mein Vater stammt aus der Türkei. Wir sind Moslems.“ Geschenke bekommt das muslimische Mädchen normalerweise nur an ihrem Geburtstag, am Ende des Schuljahres und beim Zuckerfest, dem Fest des Fastenbrechens. „Da kriegt man Süßigkeiten und Geld.“ Dass sie heute von Robert beschenkt wird, findet sie „super“. Als Havin ihr Präsent auspackt und die ersehnte Popcorn-Maschine zum Vorschein kommt, strahlt sie übers ganze Gesicht. „Jetzt kann ich jeden Tag Popcorn machen“, freut sie sich.

Auch Hamza (13) wird nicht enttäuscht und bekommt das, was er sich gewünscht hat: eine schwarze Jogginghose. Der 13-jährige Gymnasiast kommt regelmäßig ins Lerncafé, „weil ich Mathe nicht so gut verstehe“. Der Teenager weiß, wofür er lernt. „Ich möchte die Matura machen und Kinderarzt werden“, sagt er und zwinkert Simar (10) zu, der ganz aus dem Häuschen ist, weil ihm das Christkind einen Fußballtisch gebracht hat.

Jetzt hat Simar ihn, den langersehnten Fußballtisch.
Jetzt hat Simar ihn, den langersehnten Fußballtisch.
Jedes der 13 Kinder wurde bei der Weihnachtsfeier im Caritas-Lerncafé beschenkt.
Jedes der 13 Kinder wurde bei der Weihnachtsfeier im Caritas-Lerncafé beschenkt.

Neun Lerncafés

In den neun Caritas-Lerncafés in Vorarlberg werden 260 Kinder im Alter zwischen acht und vierzehn Jahren gefördert. Die Lerncafés bilden ein attraktives Lernumfeld für Schüler, deren Eltern sie nicht ausreichend unterstützen können. Gründe dafür können etwa sprachliche Barrieren sein, eine ungeeignete Wohnsituation oder fehlendes Geld für Nachhilfe. Ziel des Lerncafés ist es, dass die Kinder und Jugendlichen ihre schulischen Ziele erreichen. Aber dort wird nicht nur gelernt. „Es bleibt auch Zeit zum Spielen, Malen und Basteln“, sagt Lerncafé-Leiterin Bea Bröll. Derzeit werden Freiwillige gesucht. Deren Hauptaufgaben sind Hausaufgaben- und Lernunterstützung sowie die Zubereitung der gesunden Jause. Infos unter Tel. 0676/884204041.