Illegale Raucherkneipen beschäftigen die Behörden

Vorarlberg / 10.01.2020 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit dem Rauchverbot in der Gastronomie sollen illegale Garagenwirtschaften einen regelrechten Boom erleben, heißt es in einer Anzeige an die BH. <span class="copyright">Symbolfoto</span>
Mit dem Rauchverbot in der Gastronomie sollen illegale Garagenwirtschaften einen regelrechten Boom erleben, heißt es in einer Anzeige an die BH. Symbolfoto

Gasthaussterben: Illegale Kneipen und Paragastronomie machen Betrieben zu schaffen.

Schwarzach Eine Anzeige an die Bezirkshauptmannschaft Bregenz lässt aufhorchen. Schwarzwirtschaften würden seit dem Rauchverbot in der Gastronomie einen regelrechten Boom erleben. Der Zustrom an Gästen in den illegalen Wirtsstuben sei stark angestiegen, heißt es im Schreiben an die Behörde weiter. Bei der BH nimmt man die anonyme Anzeige ernst. „Wir haben Ermittlungen eingeleitet“, bestätigt Ingomar Wetzlinger. Die Vorwürfe würden jetzt von den Mitarbeitern aufgearbeitet.

Im Fokus der Untersuchungen stehen mögliche illegale Einrichtungen im Bregenzerwald. Ein halbes Dutzend Adressen finden sich in der Anzeige, mit Detailwissen zu Bierkonsum und Besucherzahlen. In einer Werkstätte im Vorderwald sollen es wöchentlich 1000 Flaschen Bier sein, die an durstige Raucher ausgegeben werden. Eine Schlosserei wiederum soll speziell junge Kundschaft anziehen. Die Garagenlokale sind offensichtlich auch technisch bestens ausgerüstet. Schankanlagen stehen dort, wo Platz für den privaten Pkw vorgesehen war. Das Bier werde direkt von der Brauerei geliefert. Auch Motorradclubs finden sich auf der Liste und ein Fußballverein. Bei größeren Events würden sich mehrere Hundert Gäste dort versammeln.

Sorge um Existenz

Öffentlich anprangern wollen Wirte die Zustände meist aus Sorge um Repressalien lieber nicht. „In einem kleinen Ort kannst du dann gleich zusperren“, sagt einer. Schwarzwirtschaften habe es immer gegeben. Die Situation hat sich aber zugespitzt. Mit dem Rauchverbot seien sie zu einer echten Alternative für Raucher geworden und damit zu einer existenziellen Bedrohung für kleine Betriebe.

Andrew Nussbaumer ist Wirtesprecher im Land. Von der konkreten Anzeige hört er erstmals von den VN. Dass es illegale Lokale gibt, ist aber auch den Verantwortlichen nicht fremd. „Ich kann nur jedem Wirt den Tipp geben, Anzeige zu erstatten, wenn ihm etwas bekannt ist“, so Nussbaumer.

„Wie ein Bumerang“

Neben den Schwarzwirtschaften macht den kleinen Betrieben im Land auch die Paragastronomie zu schaffen. Der Ausschank in den Vereinslokalen oder Aufenthaltsräumen ist rechtlich oft Graubereich und politisch ein Tabuthema. Niemand will sich an den Ehrenamtlichen die Finger verbrennen. Andrew Nussbaumer nennt das Problem dennoch beim Namen. Jahrelang hätten Bürgermeister den Vereinen bei der Einrichtung ihrer Lokale finanziell unter die Arme gegriffen und jetzt würden sie beklagen, dass die traditionellen Wirtshäuser zusperren müssen. „Das kommt nun wie ein Bumerang zurück“, so der Wirtesprecher weiter. Die Problematik sei im Westen Österreichs allerdings deutlich kleiner als im Osten, schränkt er ein.

Paragastronomie, also Vereine, die selbst wirten, machen kleinen Wirtshäusern wie der Traube in Bürs zu schaffen. Tobias Müller macht mit Pensionsantritt in eineinhalb Jahren Schluss. Eine Betriebsübergabe an seine Tochter Sarah ist kein Thema. Es rechne sich einfach nicht mehr. VN/STEURER

Das hilft Tobias Müller, Wirt in der Traube in Bürs, wenig. Seit 2006 lenkt er die Geschicke des traditionellen Gasthauses. In eineinhalb Jahren ist Schluss. Auch er wird den Schlüssel für immer umdrehen, eine Übergabe innerhalb der Familie ist nicht geplant. Weil es sich einfach nicht mehr rechne, sagt er. Die Gründe sind vielschichtig. Müller nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Einer der örtlichen Vereine veranstalte Sonntag für Sonntag einen Frühschoppen. „Ich habe ja nichts dagegen, wenn man nach dem Training noch zusammensitzt. Aber wenn abseits des eigentlichen Vereinslebens gewirtet wird, dann geht das zu weit“, klagt Müller über den Geschäftsentgang.

Größe entscheidend

Der illegale Garagenausschank und die Paragastronomie erhöhen den Druck auf kleine Wirtshäuser. Für manche, die um jeden Euro kämpfen, könne das zu viel sein, sagt Hotelier Hannes Moosbrugger aus Schoppernau. Auch ihm hätten einzelne Vereine den Rücken gekehrt, würden jetzt in ihren Vereinslokalen zusammensitzen. Ab einer gewissen Größe sei das allerdings existenziell unproblematisch, kann er für sein Haus sagen.

Wenn die Gäste von einst plötzlich zu Konkurrenten werden, kann das kleinen Wirtshäusern das Genick brechen, sind sich Experten einig. Neben dem Fachkräftemangel und der Problematik bei der Nachfolgesuche, die für Hannes Moosbrugger an erster Stelle stehen, ist das ein weiterer Mosaikstein bei der Suche nach den Gründen für das Gasthaussterben im Land.