Ein Buch im Gedenken an Georg Schelling

Vorarlberg / 14.01.2020 • 16:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Georg Schelling war Lagerkaplan im KZ Dachau. Archiv Nenzing
Georg Schelling war Lagerkaplan im KZ Dachau. Archiv Nenzing

Im Salomon-Sulzer-Saal wurde des mutigen Pfarrers gedacht.

Hohenems Im Rahmen der Präsentation des Buches „Monsignore Georg Schelling“ erinnerten am Donnerstag vergangener Woche die Stadt Hohenems, der Kulturkreis und das Carl-Lampert-Forum im vollbesetzten Salomon-Sulzer-Saal an einen Hohenemser Priester, der zahlreiche kritische Artikel gegen das NS-Regime publizierte.

Georg Schelling (1906-1981) war nur wenige Jahre als Kaplan und Volksschullehrer in Hohenems tätig, hat mit seiner nicht immer angepassten Geradlinigkeit und Seelsorge in den Diensten an den Menschen aber Spuren in der Stadt hinterlassen. Sein auch journalistisches Eintreten gegen den Nationalsozialismus führte später zu einer siebenjährigen Internierung im KZ Dachau als politischer Häftling. Auch hier war Schelling als „Lagerkaplan“ tätig, von ebenfalls dort festgehaltenen 2700 katholischen Priestern gewählt. 

Umfangreiche Aufarbeitung

Gemeinsam mit Michael Fliri und Linus Weber hat Wolfgang Weber eine umfangreiche historische Aufarbeitung der Biografie Schellings als Buch veröffentlicht, welches die Autoren im vollbesetzten Sulzer-Saal vorstellten. Auch Bürgermeister Dieter Egger, Pfarrer Thomas Heilbrun, der Leiter des Carl-Lampert-Forums, Walter Juen, und Kulturkreis-Präsident Edmund Banzer würdigten in ihren Grußworten Schelling als couragierte Persönlichkeit, die sich auch dann für die Mitmenschen und Gerechtigkeit einsetzte, wenn es eine Gefahr für die eigene Sicherheit bedeutete. Das Bläserquartett tonart.brass begleitete den Abend mit ausgewählten Stücken, darunter Helmut Zippers bewegendes „Dachau-Lied“.

Repressalien der Aufseher

Georg Schelling stammte aus Buch. Nach seiner Priesterweihe 1930 studierte er ein weiteres Jahr am Priesterseminar in Brixen. Mit 1. Dezember 1931 wurde er als Kooperator der Pfarrkirche St. Karl Borromäus in Hohenems zugeteilt. Gemeinsam mit dem legendären Pfarrer Konrad Renn verfasste Georg Schelling ab 1933 Artikel gegen den Nationalsozialismus. Von 1938 bis 1945 unterlag er im KZ Dachau trotz seiner Sonderstellung als Priester Repressalien und Willkür der SS-Aufseher. So wird von 47 Tagen Hungerbunker und 14 Monaten Strafkompagnie sowie von Misshandlungen berichtet. Schelling überlebte und wirkte bis zu seinem Tod 1981 als Pfarrer in Nenzing. TF

Der Salomon-Sulzer-Saal war bei der Buchvorstellung voll besetzt. tf
Der Salomon-Sulzer-Saal war bei der Buchvorstellung voll besetzt. tf