Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Tagträume

Vorarlberg / 15.01.2020 • 05:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Manchmal, da möchte man am liebsten all das vergebliche Einordnen politischer Großwetterlagen beiseitelassen. Dann wäre man gerne naiv. Man sähe fasziniert den Kupfer- und Silberschmieden im Teheraner Basar über die Schulter und wandelte in den Gärten von Isfahan. Man fühlte sich ganz klein in den Häuserschluchten New Yorks und badete in einem Meer von Büchern an Bibliotheken wie Harvard oder Princeton.

Es gäbe in solchen Träumen weder Mullahs noch Präsidenten, keine Bomben und keine Raketen. Die Welt hätte an den vielen kleinen Vergehen, die unsere Alltage so pflastern, gerade genug zu kiefeln: Zu schnell gefahren, Sonntagmittag Rasen gemäht… ein Hauch von Pfeffer halt in einer im Wortsinn „harmlosen“ Welt.
Aber Illusionen währen nur kurz. Und erwachend sieht der Tagträumer all das Wunderbare und Furchtbare nebeneinander und er weiß: Der Mensch ist zum Schönsten und Hässlichsten, zum Größten und Niedrigsten berufen, zur Liebe, aber eben auch zum Hass.

Thomas Matt

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