Hausapotheken: Immer noch ein Streitthema

Vorarlberg / 12.02.2020 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine ärztliche Hausapotheke kann Patienten zuweilen lange Wege ersparen. VN

In Vorarlberg gibt es derzeit 23 Hausapotheken. Situation sei relativ gut.

Alberschwende Von niedergelassenen Ärzten geführte Apotheken, sogenannte Hausapotheken, sorgen immer wieder einmal für Zoff zwischen den Standesvertretungen. Die Apothekerkammer betrachtet Hausapotheken als die „schlechteste und am wenigsten nachhaltige Lösung“, die Ärztekammer fordert eine Liberalisierung des Apothekengesetzes, vor allem in Hinblick auf den Gebietsschutz, der ärztliche Hausapotheken zunehmend gefährde. In Vorarlberg wird die Situation rund um die Hausapotheken noch als relativ gut bewertet. Derzeit gibt es 23 Hausapotheken. „Die dürften bleiben“, schätzt Guntram Hinteregger, Referent für Landmedizin und Hausapotheken in der Vorarlberger Ärztekammer, die Lage zuversichtlich ein. Zwei noch bei Wahlärzten bestehende Hausapotheken sind hingegen Auslaufmodelle. Wahlärzte dürfen keine Hausapotheken mehr führen.

Ruf nach dualem System

Der Zwist um Sein oder Nichtsein von ärztlichen Hausapotheken schwelt schon lange. Guntram Hinteregger spricht von einem Dauerbrenner. Dabei, ist er überzeugt, würde ein Nebeneinander durchaus funktionieren. „Wir wollen den Apotheken kein Geschäft wegnehmen, aber bei manchen Substanzen wäre es besser, wenn sie vom Arzt abgegeben würden“, erklärt Hinteregger seine Sicht der Dinge. Außerdem könnten sich Patienten oft viel Zeit und lange Wege ersparen. Er führt das duale System ins Treffen, wie es in vielen Kantonen der Schweiz praktiziert wird, dort teilweise sogar per Volksentscheid abgesichert. „Es geht allen gut damit, und es ist nicht teurer“, argumentiert der Allgemeinmediziner aus Alberschwende.

Umstrittener Gebietsschutz

In Österreich ist es derzeit noch so, dass Hausapotheken innerhalb einer bestimmten Frist schließen müssen, wenn im Umkreis von vier Kilometern eine öffentliche Apotheke aufsperrt. Beträgt der Abstand sechs Kilometer, dürfen Hausapotheken bleiben. Dieser umstrittene Gebietsschutz hat auch Vorarlberg schon Hausapotheken gekostet. „Im Raum Feldkirch gibt es keine mehr“, nennt Guntram Hinteregger ein Beispiel. In den Talschaften wie etwa dem Montafon und Klostertal sowie dem Bregenzerwald sehe es noch besser aus. Im Bregenzerwald gibt es laut Hinteregger zuweilen jedoch Abstimmungsprobleme zwischen den Bereitschaftsdiensten der Ärzte und jenen der öffentlichen Apotheken. Das bedeute für Patienten mitunter lange Fahrten.

Gefahr durch Online-Handel

Der Referent für Landmedizin und Hausapotheken vertritt die Meinung, jeder Arzt im ländlichen Raum müsste wenigstens einige gebräuchliche Medikamente abgeben können. „Ein-Arzt-Gemeinden sollten eine Rezepturbefugnis erhalten“, wird Hinteregger konkret. Die Hausapotheke sichere außerdem ein Zusatzeinkommen, das es den Allgemeinmedizinern ermögliche, zusätzliche Gesundheitsdienstleistungen wie Röntgen, Impfen oder Unfallversorgung anzubieten. Eine ärztliche Hausapotheke umfasst zur Hauptsache verschreibungspflichtige Medikamente, aber auch frei verkäufliche sowie medizinische Pflegeprodukte. Hausapotheken sind nach Ansicht von Hinteregger aber nicht das größte Problem für öffentliche Apotheken. Das ortet er vielmehr im Online-Handel. Nehme der überhand, führe das zu Schließungen, und dann leide der Patient wirklich.