VgT: Vorarlberger Kalb findet im Libanon sein Ende

Vorarlberg / 18.02.2020 • 23:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vorarlberger Kalb im Libanon geschlachtet
Vorarlberger Kalb im Libanon geschlachtet

Drei österreichische Kälber wurden im Libanon geschlachtet, eines davon aus Vorarlberg. Der VgT kritisiert die Praxis der Tiertransporte, der Landesveterinär verweist auf den freien Markt.

Lustenau Von Lustenau ging es für das einjährige Kalb über die Kälbersammelstelle in Bergheim nach Spanien – und wie der Verein gegen Tierfabriken (VgT) ermittelte, gemeinsam mit zwei weiteren österreichischen Tieren weiter in den Libanon. Zum Zeitpunkt des Abtransports im Dezember 2018 war das Kalb gerade einmal drei Wochen alt. 21 Stunden habe allein die Fahrt von Salzburg nach Barcelona gedauert. Diese werden vom VgT massiv kritisiert, fehle es doch an geeigneten Tränksystemen für die nicht entwöhnten Kälber.

Tobias Giesinger beobachtet Tiertransporte in Spanien. <span class="copyright">VgT Vorarlberg</span>
Tobias Giesinger beobachtet Tiertransporte in Spanien. VgT Vorarlberg

Spanien war jedoch nicht die letzte Station für die österreichischen Kälber. Die drei dokumentierten Rinder tauchen im August 2019 im Libanon auf. Laut Recherchen von Animals International ging diesem ein zweiwöchiger Schiffstransport voraus, die Schlachtung selbst finde bei vollem Bewusstsein per Halsschnitt statt. Entsprechendes Bild- und Videomaterial zeige die Schächtung der Tiere, die Ohrmarken verraten die Herkunft der Jungrinder. Dieses entstand für die am Dienstagabend im ZDF ausgestrahlte Dokumentation “Tiertransport grenzenlos – Leder für Deutschland”. Den Tieren werden vor der Schlachtung oft die Sehnen durchtrennt und die Augen durchstochen, um sie gefügig zu machen, kritisieren die Tierschützer scharf.

Der Redaktion liegt ein Video von Animal International vor, zu sehen ist die Schächtung eines österreichischen Jungrinds direkt neben dem Viehtransporter, scheinbar in einem Schlachthof im Nahen Osten. Bei dem Tier soll es sich um eines der drei Rinder aus Spanien handeln. Das Tier liegt zwar am Boden, Misshandlungen des Tiers lassen sich jedoch aufgrund des Videos nicht feststellen. Aus Pietätsgründen – das Setzen des Schnittes wie das Ausbluten des Rinds sind zu sehen – verzichten wir auf eine Präsentation des Materials.

Aktiv nach Schlupflöchern gesucht

Der Export von Kälbern in den Nahen Osten sei keine Ausnahme. Allein Spanien habe 2018 195.000 Tiere in Drittstaaten am Mittelmeer exportiert. Mit dem Tierschutz und den geltenden Gesetzen sei bereits der Transport von Österreich nach Spanien nicht vereinbar gewesen, ist sich Tobias Giesinger vom VgT Vorarlberg sicher. “Immer wieder werden aktiv Schlupflöcher gesucht, um doch exportieren zu können”, fordert er die Einhaltung der bestehenden Gesetze. Dass die Tiere aus der EU in Drittstaaten mit fragwürdigeren Tierschutzgesetzen weiterexportiert werden, sei alles andere als ein Geheimnis.

Von Spanien geht es per Schiff in den Libanon. <span class="copyright">VgT</span>
Von Spanien geht es per Schiff in den Libanon. VgT

Dabei sind Drittstaaten im Nahen Osten wie die Türkei aufgrund der Schlachtbedingungen immer wieder in der Kritik. Das Ziel der Tierschützervereinigung ist dabei nur vorerst die Reduktion der Tiertransporte, langfristig hofft VgT auf ein absolutes Ende der Kälbertransporte.

Freier Markt gilt auch für Tiere

Landesveterinär Norbert Greber sieht die Möglichkeiten der Amtstierärzte eng. “Wenn ein Tiertransport die Voraussetzungen erfüllt, dann muss er genehmigt werden”, betont Greber. Hier gäbe es keinen Spielraum, auch nicht bei der Angabe der Zielorte. Wenn der Zielort des Transports eine zugelassene Sammelstelle ist, der Transportplan plausibel und mit den notwendigen Pausen angegeben wird und die Tiere den gesetzlichen Ansprüchen genügen, müsse der Transport zugelassen werden. Ansonsten gelte hier der freie Markt, eben auch für Tiere. Wem ein Landwirt sein Kalb verkauft, sei dessen Entscheidung – und ob und wem dieser dann das Tier weiterverkaufe, könne man nicht beeinflussen. Mit Appellen, beispielsweise nicht nach Spanien zu verkaufen, erreiche man offensichtlich wenig, sieht Greber hier das Diktat von Nachfrage und Angebot.

Tierschutzgesetze und Konsum nicht ganz unschuldig

Insgesamt sei die aktuelle Situation auch eine ungewollte Entwicklung aufgrund eigener Gesetzesverschärfungen: 2009 wurden in Österreich Holzspaltböden verboten, Tierfuttervorgaben verschärft. Die Mast wurde damit in Österreich unrentabel, entsprechende Betriebe in Vorarlberg schlossen. Der Konsum hat sich jedoch kaum verändert. Die Folge: Während laut Greber 2009 noch quasi alle Kälber in Vorarlberg gemästet und geschlachtet wurden, werden die Kälber nun ins Ausland verkauft und günstiges Kalbfleisch nach Österreich importiert.

Die Schlachtpraxis im Nahen Osten, wie hier im Libanon, wird von Tierschützern kritisiert. <span class="copyright">Animals International</span>
Die Schlachtpraxis im Nahen Osten, wie hier im Libanon, wird von Tierschützern kritisiert. Animals International

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