Nach Kälbertransporten: Regionales Essen wird in Landesküchen zur Pflicht

Vorarlberg / 21.02.2020 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
 Der Transport eines Kalbes, das laut VGT im Libanon landete, sorgt für Wirbel.<span class="copyright"> VGT</span>
Der Transport eines Kalbes, das laut VGT im Libanon landete, sorgt für Wirbel. VGT

Landesküchen müssen bald regionale Lebensmittel verwenden.

Schwarzach Mit Fehlern ist es so eine Sache. Manche lassen sich einfach korrigieren, bei anderen ist es aufwendig. Und manchmal müsste man ein ganzes System ändern. Wie bei Kälbertransporten. Laut dem Verein gegen Tierfabriken (VGT) wurde im Libanon ein Kalb geschlachtet, das aus Vorarlberg stammt. Die Aufregung ist groß. So groß, dass sich die Bundesregierung dem Thema angenommen hat.

Wie konnte das passieren, nachdem in Vorarlberg alle sagen, dass keine Transporte von Schlacht- und Zuchttieren in Drittstaaten abgefertigt werden? So: Ein Landwirt verkauft sein Tier an einen Händler. Der bringt es zu einem Umschlagplatz in Salzburg. Dieser Transport muss nicht von einem Tiermediziner abgefertigt werden. In Salzburg ersteht ein weiterer Händler das Kalb, das per Transport nach Spanien geht. Dort wird es gemästet und in den Libanon weiterverkauft. Zwar hat sich Österreich verpflichtet, keine Schlachttiere in Drittstaaten zu exportieren, das System lässt es aber zu.

Sitzung am 17. März

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) wünscht sich ein EU-weites Exportverbot von Schlachtvieh in Drittstaaten. Sie betont: “Unsere Bauern haben nichts falsch gemacht.” Sie hätten sich an die Regeln gehalten. Zuständig für Tiertransporte ist Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne). Er kündigt für den 17. März eine Sitzung mit Vertretern von Tierschutzorganisationen, Behörden und Landwirtschaft an. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger rechnet damit, dass er eingeladen wird.

Der Grund für die Transporte liege im System, ist er überzeugt. “Wir haben keine Kostenwahrheit im Markt”, stellt Moosbrugger fest. Der Konsument sei genau so gefordert wie der Handel. Der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP) ergänzt: “Wir tun Vieles, um die Zahl der Transporte zu minimieren. Aber es handelt sich um Bundes- und EU-Recht.” In Vorarlberg wird die Landesregierung die Landesküchen in die Pflicht nehmen. Ihnen wird vorgeschrieben, einen Prozentsatz an regionalen Lebensmitteln zu verwenden. “Bisher hieß es, man sollte. Nun wird es einen Regierungsantrag geben”, erklärt Gantner. Er appelliert auch an den Konsumenten: “Wer keine Tiertransporte möchte, soll regionale Produkte einkaufen.”

Landwirtschaftsministerin Köstinger ortete zuletzt einen Missbrauch der Marktmarkt in der Preisbildung durch den Handel. Spar-Chef Gerhard Drexel widerspricht. Er verteidigt die heimische Branche gegen das “Handelsbashing”, wie er sagt. Das könne nur aus einer Parallelwelt stammen. Die Neos bringen das Thema ins EU-Parlament. EU-Abgeordnete Claudia Gamon möchte in einer Anfrage von der Kommission wissen, wie sie das Problem eindämmen möchte.

Drei Fragen an Minister Rudolf Anschober:

Was können Sie tun, um qualvolle Exporte von Milchkälbern zu verhindern?

Jeder Mensch, der weiß, dass Tiere keine Dinge, sondern Lebewesen sind, wird von den Bildern und Zuständen zutiefst erschüttert sein. Am 17. März wird ein Tierschutzgipfel mit Vertretern der Tierschutzorganisationen, mit Amtstierärzten, Experten aus unserem Haus und dem Landwirtschaftsministerium stattfinden. Hier werden wir die Fakten und Handlungsmöglichkeiten überprüfen und Verbesserungen auf nationaler Ebene definieren, aber auch notwendige Änderungen auf EU-Ebene außer Streit stellen.

Wie kann verhindert werden, dass ein Käufer in einem EU-Land die Tiere in Drittstaaten weitertransportiert? Braucht es strengere Regeln auf EU-Ebene?

Tierschutz darf nicht an Österreichs Außengrenzen enden. Das EU-Recht muss dringend überprüft und reformiert werden. Wir müssen Tiertransportstandards gemeinsam weiterentwickeln. Das muss jedem klar sein.

Reichen die Kontrollen in Österreich und anderen EU-Ländern zu den Tiertransporten aus?

Es ist offenkundig, dass das Kontrollsystem weiterentwickelt werden muss. Für Österreich werden wir das sehr genau und zeitnah überprüfen.

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