Angst um Lebensraum der seltenen Burgdohlen

Vorarlberg / 27.02.2020 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Angst um Lebensraum der  seltenen Burgdohlen
In der Tostner Burg nisten seit mehr als hundert Jahren Burgdohlen. Neue Nutzungspläne könnten diesen wichtigen Standort gefährden, fürchten Vogelschützer. RITTER

Vogelfreunde sehen Pläne für Tostner Burg kritisch.

feldkirch Die Tostner Burg ist das Wahrzeichen des Feldkircher Stadtteils. Seit vielen Jahrzehnten bemüht sich der Museumsverein Feldkirch um den Erhalt der alten Gemäuer. Zuletzt wurde der Bergfried saniert. Jetzt gibt es Pläne, einen Zugang auf ein neues Dach im Bergfried zu schaffen. Das Dach ist eine Maßnahme, die der Denkmalschutz angeregt hat. Aber darüber gibt es Diskussionen. Zuletzt informierte der Museumsverein über die Pläne – Widerspruch gab es vor Ort nur wenig. Trotzdem sehen gerade Vogelschützer das Projekt weiterhin sehr kritisch.

Die Burgdohlen nisten nachweislich seit über 150 Jahren in den Gemäuern der Tostner Burg. Vogelschützer haben Angst um ihren Bestand. <span class="copyright">Ritter</span>
Die Burgdohlen nisten nachweislich seit über 150 Jahren in den Gemäuern der Tostner Burg. Vogelschützer haben Angst um ihren Bestand. Ritter

Andrea Ritter war beim Informationsabend erkrankt und hat sich mit der VN-Heimat in Verbindung gesetzt. Die Tostnerin beobachtet als Hobby-Ornithologin und Mitglied von Bird-Life die Burgdohlenkolonie auf der Tostner Burg schon seit vielen Jahren. Sie weiß einiges über die Dohlen zu berichten. Zum Beispiel, dass die Turmdohle der kleinste Vertreter der Rabenvögel ist. Oder dass Dohlen in Kolonien in lebenslanger monogamer Dauerehe leben und zum Brüten auf ganzjährig störungsarme Gebäude mit deren Mauerlöchern und Nischen angewiesen sind. Ihren Nistplatz nutzen sie ein Leben lang. Als Nahrungsraum dienen offene Acker- und Wiesenlandschaften in der Nähe der Brutplätze. Diese Habitatskombination (Fels und Acker) liefern die Burg und das nahe Tostner Ried. Deswegen ist der Brutplatz auf der Tostner Burg von landesweiter Bedeutung. „Von diesem Brutplatz wurde schon vor 150 Jahren berichtet, es liegt also eine sehr lange Bruttradition vor“, so Ritter. Es gebe nur mehr drei derartige Brutplätze in Vorarlberg.
Den geplanten Innenausbau samt Aussichtsplattform sieht Ritter als Bedrohung für die Dohlenkolonie. In Götzis sei eine Kolonie im Rahmen von Renovierungsarbeiten an der Ruine Neu-Montfort 2003 erloschen. Die Gefährdung der Kolonie werde auch durch die strategische Umweltverträglichkeitsprüfung des Landes bestätigt. Dort steht, dass „für Turmfalke und Waldkauz bei Umsetzung des Projekts Brutplätze verloren gehen und für Dohlen Beeinträchtigungen zu erwarten sind“. Dauerhafte Störungen durch Menschen könnten dazu führen, dass die Tiere ihre Nistplätze aufgeben könnten – wenn auch nicht zwangsläufig im ersten Jahr. Gerade auch die nächtliche Nutzung sieht Ritter kritisch. Sie appelliert an die Stadt, sich für die Dohlenkolonie einzusetzen.

Ungelegte Eier?

Die Pläne sind zwar bereits weit fortgeschritten, aber bisher haben noch keine Bauverhandlungen stattgefunden. Offen bleibt also, ob die Maßnahmen genehmigt werden und mit welchen Auflagen die Nutzung der Plattform verbunden wäre.

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