Gedanken zum Tag von Benediktinermönch Christoph Müller

Vorarlberg / 12.04.2020 • 11:00 Uhr
Gedanken zum Tag von Benediktinermönch Christoph Müller

Die „Gedanken zum Tag“ erscheinen im Rahmen von #vorarlberghältzusammen und sind eine Kooperation der Diözese Feldkirch und den VN.

Christoph Müller, Benediktinermönch und Pfarrer im Großen Walsertal:

Das „Dahinter“

Ich war vor 17 Jahren auf dem Jakobsweg. Darüber konnte ich nachher viel Kurzweiliges erzählen. Aber die Frage stellte sich dann: Was ist eigentlich im Tiefsten geblieben? Es war tatsächlich nicht das Kurzweilige, sondern das Langweilige. Tag für Tag einen Fuß vor den anderen setzen. Der Kopf zuerst voll, dann immer leerer. Das war es! Denn leer geworden, nahm ich alles viel intensiver auf.
Auch in der Corona-Krise gähnt Leere. Für manche ein Anlass, selber leer zu werden, da und dort auszumisten. Und sie erfahren: es befreit.
Der Karsamstag ist der leerste Tag des ganzen Kirchenjahres. Keine Messe – die Osternacht gehört ja schon zum Sonntag –, nichts als Leere. Doch diese macht sensibel für das Geschenk von Ostern. Dann durchdringt der Auferstandene geheimnisvoll den ganzen Kosmos: Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge. In allem hinterlässt er seine Spur, auch in Wunden, da er die Wundmale ja weiterhin trägt. Alles völlig unspektakulär. Nur von jenen zu erahnen, die hinter die Dinge zu sehen vermögen.
Für uns alle bete ich um diesen Blick für das „Dahinter“.