Wo laute Motorräder nicht erwünscht sind

Ab nächster Woche Fahrverbote im Tiroler Außerfern. Landesrat Tittler mit Tiroler Kollegen im Austausch.
Reutte, Bregenz Diese Verordnung könnte Nachahmer finden. Im Tiroler Außerfern gilt ab nächster Woche auf einer Vielzahl von beliebten Motorradstrecken für besonders laute Zweiräder ein Fahrverbot. Die Maßnahme basiert auf einer Lärmstudie und entspricht im Wesentlichen den Wünschen der geplagten Bewohner. Auch in Vorarlberg mehren sich die Beschwerden, wie der zuständige Verkehrslandesrat Marco Tittler sagt: „Tirol hat jetzt einen Vorstoß gemacht. Wir sind in den Fachabteilungen in Abstimmung mit den Kollegen in Innsbruck und schauen uns das Thema genau an.“
Der Verkehrslärm beschäftige die Menschen zunehmend. Freilich nicht nur jener lauter Motorräder. Diese würden allerdings als besonders lästig empfunden, erklärt Christoph Lechner, Lärmexperte im Nachbarbundesland. Seine Expertise ist auch in Vorarlberg gefragt. Im Herbst ist er zu Gast im Landhaus.
Sieben Prozent der Motorräder betroffen
Hahntennjoch-, Lechtaler-, Berwang-Namloser- oder Tannheimerstraße: Ab dem 10. Juni wird wird auf diesen Strecken laut aufheulenden Motorrädern der Kampf angesagt. Zweiräder, die laut Zulassung ein Standgeräusch von über 95 Dezibel aufweisen, sind mit einem Fahrverbot belegt. Lechner erwartet damit eine spürbare Lärmreduktion. Im VN-Gespräch erklärt der Experte, dass rund sieben Prozent aller Motorräder von der Maßnahme betroffen sind. Österreichweit sind das rund 4400 Fahrzeuge, die in Summe dieselbe Emission als Nahfeldpegel verursachen würden, wie die restlichen 61.000 leiseren Motorräder.
Bürgerproteste im Außerfern
Die Fahrverbote gelten vom 10. Juni bis 31. Oktober ohne Ausnahmen. Als Strafe drohen 220 Euro. Die Lärmbelästigung entlang der bekannten Motorradstrecken waren im Außerfern besonders groß. Die Bürgerproteste hatten zuletzt stark zugenommen. Die Lärmstudie hat als Hauptärgernis das Aufheulen der Motoren lauter Zweiräder dokumentiert, verbunden mit dem Wunsch der Bevölkerung nach Fahrverboten auf einzelnen Strecken, so Experte Christoph Lechner.
Land beobachtet Situation
In Vorarlberg will man aus den Erfahrungen der Nachbarn lernen und prüfen, inwieweit die Situation im Außerfern mit jener einzelner Regionen des Landes vergleichbar sei, so Marco Tittler. Fahrverbote sind jedenfalls nicht so einfach durchzusetzen. Viele Faktoren müssten berücksichtigt werden, so der Landesrat weiter. Auch die Tiroler Landesregierung evaluiert die Maßnahmen im Außerfern in dieser Motorradsaison. Mögliche Änderungen im kommenden Jahr sind nicht ausgeschlossen.
Kritik an den Fahrverboten kommt von der Arge 2Rad, dem Zusammenschluss der österreichischen Motorradimporteure. Bezweifelt wird die Methodik. So sei der Nahfeldpegel (Standgeräusch) als relevanter Wert gänzlich ungeeignet und stehe in keinem Zusammenhang zu den verursachten Lärmemissionen im Fahrbetrieb. Nur das Messen einer Überschreitung und das Herausziehen der nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechenden Motorräder würde für die Anrainer eine Lärmverbesserung bringen, so Arge-Obmann Hubert Trunkenpolz.