Zecken holten sich schon fünf Opfer

Die meisten FSME-Betroffenen waren nicht geimpft.
Bregenz Der Gemeine Holzbock schläft auch in Vorarlberg nicht. Im Gegenteil, er wird seinem Namen offenbar immer häufiger gerecht, denn im heurigen Jahr gab es bereits fünf durch Zecken verursachte FSME-Erkrankungen. Das bestätigte Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher auf VN-Anfrage, ergänzt durch die Feststellung: „Das ist schon eine beträchtliche Zahl.“ Infiziert haben sich alle Betroffenen im Zeitraum zwischen Mitte Mai und Mitte Juni, und bei allen löste das Virus eine Frühsommer-Meningoenzephalitis aus, die im Spital behandelt werden musste. Laut Grabher waren vier Zeckenopfer nachweislich nicht geimpft. Bei einer Person lag die letzte Impfung zehn Jahre zurück. Da auch Vorarlberg schon seit Langem als Endemiegebiet eingestuft ist, sei eine Zeckenschutzimpfung dringend anzuraten, betonte der Landessanitätsdirektor.
Grippeähnliche Symptome
Das jüngste der bislang fünf Zeckenopfer ist 20, das älteste 74 Jahre alt. „Jeder hat grippeähnliche Symptome mit Kopfschmerzen entwickelt“, erklärt Wolfgang Grabher. Auch der Jahreszeit geschuldet erfolgte bei den Patienten eine Abklärung auf eine mögliche FSME, die bei allen positiv ausfiel. Für Juli und August erwartet der Gesundheitsexperte weniger durch den Gemeinen Holzbock verursachtes Unbill. Der Grund ist, dass Zecken keine Hitze mögen.
Die Anzahl der FSME-Neuerkrankungen ist seit der Einführung der Impfung zwar um 85 Prozent zurückgegangen. Sie liegt bei etwa 41 bis 123 Erkrankungen jährlich im Vergleich zu 300 bis 700 in der Zeit davor. „Das Erkrankungsrisiko für nicht geimpfte Personen blieb hingegen unverändert. Nach wie vor liegt es bei sechs Fällen pro 100.000 Einwohner“, warnt Prof. Michael Kunze von der MedUni Wien. Dazu kommt, dass sich auch in bisher als virusfrei betrachteten Gegenden und sogar in höher gelegenen Regionen immer neue Hotspots bilden. Ein Grund könnte nach Meinung des Wiener Virologen Otfried Kistner der Klimawandel sein. Andererseits könnten auch Zugvögel als Transportvehikel für infizierte Zecken dienen.
Der Westen holte auf
Auch in Österreich haben sich die FSME-Gebiete verändert. „Besonders auffällig waren die Veränderungen im Westen des Landes“, stellt Sozialmediziner Kunze fest. So gab es in Vorarlberg bis 2000 keinen einzigen FSME-Fall. Seitdem gilt vor allem der Walgau als hochendemisch. Einen unrühmlichen Rekord bescherte das Jahr 2008 mit acht FSME-Erkrankungen. Vier Personen hatten sich durch den Genuss von verseuchtem Ziegenkäse infiziert. Danach pendelte sich die Zahl zwischen jährlich drei und fünf Fällen ein. Nach wie vor keine Schutzimpfung gibt es gegen Borreliose. Deshalb sollte nach jedem Aufenthalt im Freien der Körper genau nach Zecken abgesucht und diese so schnell wie möglich entfernt werden.
Häufigste Erkrankungen
Zecken verursachen hauptsächlich zwei Krankheiten. Das sind die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. FSME ist eine Viruserkrankung, die zur Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute und/oder des Zentralnervensystems führen kann. Das Virus wird im Gegensatz zur Borreliose unmittelbar nach dem Stich übertragen. Rund 30 bis 40 Prozent der Infizierten erkranken. Die Dauer vom Zeckenstich bis zum Ausbrechen der Erkrankung schwankt zwischen wenigen Tagen und einem Monat.
Die Borreliose wird von Bakterien, den sogenannten Borrelien, ausgelöst. Sie ist in Österreich die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Die Erreger leben im Darm der Zecke und daher dauert es eine Weile, vermutlich einige Stunden, bis die Borrelien nach einem Stich in das Blut des Menschen gelangen. Je schneller also die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko, dass eine Übertragung stattfindet.
Impfschema
Generell wird die FSME-Impfung laut dem Österreichischen Impfplan ab dem vollendeten ersten Lebensjahr empfohlen.
Teilimpfung 1 am besten noch in der kalten Jahreszeit, damit bereits ein Schutz gegeben ist, wenn die Zeckenaktivität beginnt. Eine Impfung ist aber immer möglich.
Teilimpfung 2 1 bis 3 Monate nach der ersten Teilimpfung, bevorzugt auch in der kalten Jahreszeit
Teilimpfung 3 je nach verwendetem Impfstoff 5 bzw. 9 bis 12 Monate nach der zweiten Teilimpfung
Auffrischung erste Auffrischung nach drei Jahren, ab dann bis zum 60. Lebensjahr alle fünf Jahre, dann wieder alle drei Jahre, weil auch das Immunsystem des Menschen altert.