Gerhard Ouschan möchte mehr als nur Betreuung anbieten

Vorarlberg / 28.06.2020 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gerhard Ouschan möchte mehr als nur Betreuung anbieten
Gerhard Ouschan ist Chancengleichheit in der Ausbildung sehr wichtig. BI

Als Bereichsleiter entwickelt der 59-Jährige permanent neue Bildungskonzepte für die Arbeiterkammer.

Feldkirch Er sprüht vor Ideen und beim Reden über neue Projekte spürt man die Begeisterung: Gerhard Ouschan leitet den Bereich Bildung in der Arbeiterkammer Feldkirch. Es ist sein fünfter Aufgabenbereich in der AK, wobei ihm der Bereich Bildung ganz besonders liegt, denn Weiterbildung ist auch sein eigenes Lebensthema. So war der gelernte Erwachsenenbildner als Lebens- und Sozialberater tätig, absolvierte aber auch ein Masterstudium für Systemisches Management an der Universität Graz.

Gleiche Chancen für alle

Soziale Aspekte sind dem engagierten Bildungsfachmann ganz wichtig: „Alle sollten die Chance auf die gleichen Ausbildungsmöglichkeiten haben – zumindest theoretisch. Im Kindergarten wird hierfür bereits ein Grundstein gelegt. Deshalb haben wir ein Handbuch für Pädagogen für den Übergang vom Kindergarten in die Volksschule erarbeitet, dieses ist kostenlos bei uns erhältlich.“ Ouschans Ideen werden durch von ihm initiierte Forschungsprojekte untermauert. Aktuell läuft eine Forschung zum Thema Kinderbildung in Vorarlberg, die Ergebnisse sollen nächstes Jahr veröffentlicht werden: „Mir ist es wichtig, Chancengleichheit zu ermöglichen. Die Herkunft aus dem Elternhaus ist immer noch mitentscheidend für die Berufswahl. Deshalb braucht es neue Konzepte. Ich komme in diesem Zusammenhang immer mehr weg von dem Betreuungsbegriff, sondern verwende lieber den Begriff Ganztagsbildung. Wir wollen mehr als nur Betreuung anbieten.“

Aus diesem Kerngedanken entstand letztes Jahr auch das Projekt „Lernbegleitung statt Nachhilfe“, eine Woche lang wurde dazu in den Sommerferien eine Ganztagsbildung geboten. „Das Modell fand in verschränkter Form statt, neben den Lerneinheiten gab es wechselnd Übungen zur besseren Konzentration und Energetik. Ganz zentral war das gemeinsame Mittagessen, denn regionale und gesunde Ernährung bildete einen fächerübergreifenden Fokus. Die Kinder sollten stärkende Elemente erfahren, damit Lernen angstfrei und motiviert gelingen kann“, so Ouschan. Den Unterricht halten Studenten der Pädagogischen Hochschule. Es ist eine Win-win-Situation, denn so können sich auch die angehenden Pädagogen Erfahrungen aneignen. 60 Kinder haben im letzten Jahr teilgenommen, heuer wird mit einer Verdoppelung der Teilnehmerzahl gerechnet, insbesondere aufgrund der aktuellen Situation. Das Format wird heuer wiederum Ende August stattfinden.

Lernhilfe „auf Abruf“

Und es wären nicht Ouschan und sein motiviertes Team, wenn er nicht schon ein weiteres Unterstützungsangebot planen würde, nämlich eine Lernhilfe „auf Abruf“. Hierfür sollen vier Pädagogen den Sommer über angestellt werden, die Eltern in Problemsituationen Auskunft erteilen können. Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit, dass mit einzelnen Kindern im jeweiligen Problemfach gelernt wird: „Die Coronakrise bildete teilweise eine komplette Überforderung, dies brachte eine Abfrage des IFES zutage. Neben den Herausforderungen für Eltern und Kinder in dieser Zeit ist auch eine deutliche Chance erkennbar. Schule muss neu gedacht werden, gerade im digitalen Bereich.“ Doch nicht nur die Ganztagsbildung ist Gerhard Ouschan ein Anliegen, sondern auch die Weiterbildung von Erwachsenen: „Vielfach stehen Menschen in der Mitte des Lebens und wagen es nicht, sich beruflich neu zu orientieren. Doch dies ist immer möglich, wir bieten in diesem Zusammenhang seit zwei Jahren das Projekt wieweiter an. Dabei wird eine ganzheitliche Beratung geboten, in beruflichen Belangen, in Fördermaßnahmen, aber auch bei persönlichen Problemen.“ BI