Ichlinge
Die einen tragen Masken. Halten Abstand. Brav, vor allem aber vernünftig. Das Stückchen Stoff ist grad so groß wie ein Taschentuch. Asiaten nähmen unsere Eiertänze wohl kopfschüttelnd zur Kenntnis. Denn während die meisten sich fügen, satteln andere ihr Schlachtross. Wie die Kreuzritter ziehen sie ins Feld unter dem flatternden Banner ihres geradezu vulgären Freiheitsverständnisses. Irritierend, wie bösartig die Auseinandersetzung inzwischen geworden ist.
Sind das dieselben, die Stadtparks zu Partymeilen machen? An den Stränden des Südens grölen und ihre Gastgeber das Grausen lehren? Verbergen sich hinter den hasserfüllten Postings auch jene Profiteure, denen die Gesundheit ihrer Arbeiter am Bau oder in einem fleischverarbeitenden Betrieb schlichtweg egal ist?
Das wissen wir nicht. Aber wir dürfen annehmen, dass ihnen Abstand schon vor der Krise fremd war und Anstand sowieso. Sie sind nicht das hellste Licht auf der Torte, aber sie können mit ihrer Ignoranz anderen das Licht ausblasen. Und merken es gar nicht. Oder schlimmer noch: Es ist ihnen egal. Die einen tragen Masken. Die anderen haben ihre fallen lassen.
Thomas Matt
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