Vom analogen Buch zur digitalen Spielwelt

Vorarlberg / 28.08.2020 • 15:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vom analogen Buch zur digitalen Spielwelt
Schon 2019 haben sich Studierende der PH für Buch-am-Bach-Besucher kreative Schreibprojekte überlegt und so die Fantasie angeregt. VN/STIPLOVSEK

PH-Studierende laden zu Workshops auf www.buchambach.at ein.

Feldkirch Neues ausprobieren! Diese Worte bekamen für die Studierenden der PH Feldkirch im Sommersemester 2020 eine neue und besondere Bedeutung. Nicht nur, weil sich das Studieren von einem auf den anderen Tag ins Digitale verlagerte. „Auch die Deutschstudierenden im sechsten Semester mussten lernen, selbst online Angebote zu formulieren und umzusetzen“, erklärt Andreas Schumann, Hochschulprofessor für Literaturwissenschaft und -didaktik. Eine Chance dazu bot die Zusammenarbeit mit der VN-Kinder- und Jugendbuchmesse Buch am Bach, für die angehende Oberstufen-Lehrende auch heuer wieder kreative Schreibprojekte planten.

Was ist machbar?

Vom analogen Buch zur digitalen Spielwelt
Die PH-Studierenden stimmten sich heuer online via Zoom ab.

Nach den Online-Lesungen durch die Autoren im Rahmen der Buch am Bach online entschieden sich die 14 angehenden Lehrerinnen und Lehrer für das Debüt „Der Vogelschorsch“ des Autors und österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreisträgers Hannes Wirlinger, „Fritz Fantom – Der Schrecken der Schule“ von Thomas Brezina sowie „Feder & Klinge“, ein Fantasy-Roman von Rebecca Andel, Newcomerin und Ausnahmetalent mit Vorarlberger Wurzeln. Allerdings stellte sich gleich zu Beginn die große Frage: Lassen sich gemachte Erfahrungen mit Online-Lehre und Digital Learning auch an Buch am Bach anpassen? Und wie kann die Umsetzung erfolgen, ohne dass ein direkter Kontakt zu Kindern und Jugendlichen besteht?

„Weil für die Lehrenden, aber auch für die Lernenden Methoden und Verfahren neu waren, mussten auf beiden Seiten erst entsprechende Kompetenzen entwickelt werden.

Andreas Schumann, Hochschulprofessor für Literaturwissenschaft und -didaktik

Digitale Spielwelten

Erstmal musste „Herkömmliches“ über Bord geworfen und Raum fürs Experimentieren geschaffen werden. Das bedeutete außerdem im „Siebenmeilenstiefel“-Modus entsprechende Kompetenzen zu erwerben, um die Ideen in neuen Methoden und Verfahren anwenden zu können. Die „Feder & Klinge“-Gruppe, zu der Veronika Breski, Chiara Plank, Franziska Pfeifer, Raphaela Wiehl, Johanna Frick und Christian Angerer zählen, entschied sich für die Erstellung eines Blogs. Unter dem Link https://mobius-bookkeeping.blogspot.com besteht für Fantasy-Fans die Möglichkeit, sich selbst in die Geschichte hineinzuschreiben. „Unser Ziel war es, die Figuren virtuell zum Leben zu erwecken, damit eine lebendige Identifikation entsteht und die Lust geweckt wird, die Handlung weiterzudenken“, erklärt Breski, die mit ihrem Team die Möglichkeiten des Internets nutzt und so fast schon in die Nähe digitaler Spielwelten gelangt. Die Bearbeitung der Website wird untereinander aufgeteilt. „Jeder übernimmt eine Woche“, so die Studierende, die sich auf das Mitmachen zahlreicher „Feder & Klinge“-Leser freut.

Gaunertest

Für einen „ultimativen Gaunertest“ hingegen hat sich die „Fritz Fanton“-Gruppe entschieden. Larissa Erhart, Niklas Sutter, Denise Strebinger und Bettina Meyer gehören der Tom-Turbo-Detektivclub-Generation an. „Samstagvormittag, wenn Thomas Brezinas interaktive Krimiserie im TV lief, war das für mich ein Pflichttermin“, verrät Sutter. „Ich finde es sehr spannend, den Blickwinkel zu wechseln und die berühmten Tom-Turbo-Fälle aus Fritz Fantoms Gauner-Sicht zu sehen.“ Fritz Fantom ist das neueste Buch des bekannten österreichischen Autors. Die Idee: „Kinder mögen alles, was sie nicht dürfen“, erklärt Erhart, „deshalb lassen wir sie virtuelle Gauner wie Schlawiner mit Schweinchen, Mike Mac Muki usw. sein.“

Verändern und neu gestalten

Viel Fantasie von den Jugendlichen wünscht sich das „Vogelschorsch“-Team. „Wir wollen mit unseren Arbeitsaufträgen zum Um- und Weiterschreiben anregen“, erklärt Nagihan Tezcan, die sich gemeinsam mit Seda Cansiz, Kerser Savier, Rosa Rümmele und Nina Dilsky interaktive Schreibaufträge überlegte. „Es war uns wichtig, die Teilnehmer herauszufordern, ohne dass es kompliziert wird“, so Tezcan. „Vielmehr setzen sie darauf, die Geschichte weiterzuerzählen, zu verändern und neu zu gestalten.“

Jetzt warten die Studierenden gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Also ran an die Laptops und auf buchambach.at die Lesewelt mitgestalten. CRO

Die Ergebnisse, Zeichnungen, Texte und alles, was noch an Ideen dazu entsteht, per E-Mail an andreas.schumann@ph-vorarlberg.ac.at senden.