Bebauung von Bludenz in der Kritik

Vorarlberg / 09.09.2020 • 16:30 Uhr
Bebauung von Bludenz in der Kritik
Geht es nach einer neu formierten Bürgerinitiative, soll in Bludenz weiteren Großbauprojekten Einhalt geboten werden. VN/LERCH

Bürgerinitiative macht in Bludenz gegen weitere Wohnbaugroßprojekte mobil.

Bludenz In Bludenz hat sich eine Bürgerinitiative formiert, die sich gegen die massive Bebauung der letzten noch freien Flächen in Bludenz zur Wehr setzen will. „Seit gut zwei Jahren hat man in Bludenz den Eindruck, als müssten die restlichen Grünflächen per Gesetz zubetoniert werden. Die großen Baufirmen des Landes überbieten sich gegenseitig und bezahlen inzwischen für Baugrundstücke horrende Preise. Anschließend werden nach Abstandsarithmetik aufgereihte und überdimensionierte Wohnblöcke errichtet“, so Florian Grass als Sprecher der Bürgerinitiative „Bludenz 2030“.

„Während private Bauwerber mit einer Vorgabenflut in die Schranken gewiesen werden, genießen einige Baugesellschaften offensichtlich Narrenfreiheit“, spart die neu formierte Bürgerinitiative nicht mit Kritik an der Stadt. Fehlende Bebauungspläne würden die Machenschaften der Baugesellschaften zusätzlich begünstigen und dem Ortsbild den Rest geben, so die Vorwürfe der knapp 20 Personen starken Gruppe.

Diese Vorwürfe will man im Bludenzer Rathaus freilich nicht auf sich sitzen lassen. „Das genaue Gegenteil ist der Fall“, entgegnet Stadtsprecher Stefan Kirisits. „Gerade große Bauvorhaben großer Baugesellschaften werden genau unter die Lupe genommen. Viele kleine Bauvorhaben werden hingegen so gut es geht durchgewunken“, so Kirisits. Was einen Gesamtbebauungsplan anbelangt, gebe es seitens der Stadt keine Bestrebungen. „Weil ein solcher nicht sinnvoll wäre“, entgegnet Kirisits und nennt als Begründung die Unterschiedlichkeit zwischen dem städtischen Raum der Altstadt und den ländlichen Gebieten, wie etwa Außerbraz. „Die Unterschiedlichkeit des Stadtgebiets lässt sich nicht in einen Bebauungsplan eingießen. Wir streben diesbezüglich eine Quartiersbetrachtung an“, argumentiert der Stadtsprecher.

Nächste Großanlage befürchtet

Stein des Anstoßes für die Gründung der Bürgerinitiative ist der Kauf einer gut 2300 Quadratmeter großen Liegenschaft einer Oberländer Baufirma in der Fohrenburgerstraße. Hier befürchten Florian Grass und seine Mitstreiter, dass das Bauunternehmen „drei Tage vor den Wahlen (!) de facto die Genehmigung für drei viel zu hohe (viergeschoßige) Wohnblöcke erhalten möchte“. Nachsatz: „Dabei wird keinerlei Rücksicht auf die Umgebungsbebauung genommen.“ Seitens der Stadt will man von einem derartigen Bauvorhaben nichts wissen. Bis dato sei noch kein Bauansuchen im Rathaus eingegangen. „Es gibt hier derzeit kein Bauverfahren. Erst wenn wir das Projekt kennen, können wir dazu Stellung nehmen“, so Kirisits abschließend.