Lockdown: Kein “Urlaub” trotz Umsatzersatz

Vorarlberg / 12.11.2020 • 15:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Lockdown: Kein "Urlaub" trotz Umsatzersatz
Leere Innenstädte und geschlossene Lokale, so präsentiert sich Vorarlberg. VN/STEURER

Zwar soll nun tatsächlich ein Umsatzersatz kommen, die Stimmung ist jedoch nicht gut.

Frastanz, Hohenems Am Freitag wurde gut eine Woche nach der Ankündigung der Umsatzersatz im Detail vorgestellt. In Aussicht stehen 80 Prozent des Umsatzes des vergangenen Novembers bis maximal 800.000 Euro. Innerhalb von 14 Tagen nach Beantragung soll dieser auch ausgezahlt werden. “Man redet viel, auf dem Papier ist aber noch nicht viel”, betont Hubert Grabher, Geschäftsführer vom Frucht Express in Frastanz. Der Zulieferer wurde mitten in einer Wachstumsphase vom Lockdown getroffen. Während man im März ins kalte Wasser gestoßen wurde, war er dieses Mal vorbereitet. “Wir haben bereits im Sommer den Lagerstand reduziert”, sieht er den Schaden noch in Grenzen.

Dabei erweitert Frucht Express gerade seinen Standort – und hält auch daran fest. “Wir wollen niemanden kündigen, sondern eigentlich Personal einstellen”, betont der 56-Jährige. Frucht Express muss derweil Umsatzeinbrüche von 85 Prozent hinnehmen, da nur noch Gesundheitseinrichtungen normal arbeiten – und weiß nicht, ob er vom Umsatzersatz profitieren kann. Derzeit sei alles noch vage, bisher konnte er nur die Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Grabher ist jedoch optimistisch: “Dies ist ein schwarzer Strich durchs Leben, es geht aber auch wieder vorbei.”

Weniger positiv gestimmt ist Nathalie Hacker vom Gasthaus Hirschen in Hohenems. “Die Leute denken, wir sind nun alle in einem bezahlten Urlaub, dabei warten wir noch auf die versprochenen Hilfsgelder vom März”, betont sie. Derweil mussten sie alle Ausgaben, Fixkosten und Löhne aus den schwindenden Reserven vorstrecken. “Wir stehen mit heruntergelassenen Hosen da. Ich muss schauen, dass ich das, was ich noch habe, zusammenhalte”, fühlt sie sich im Stich gelassen. Schließlich setze man immer den Gastronomen als Erstes die Daumenschrauben an: “80 Arbeiter dürfen auf eine Baustelle, jeder in den Messepark, aber wir dürfen nichts.”

16 Mitarbeiter sind davon abhängig, wie es im Hirschen nun weitergeht und ob die Hilfsgelder bald fließen. Nun probiert sie, mit einem Take-away zumindest etwas Geld zu verdienen. Hacker vermisst auch Verständnis und Solidarität von den Mitbürgern. “Viele verstehen unsere Situation nicht, es gibt von niemandem ein Entgegenkommen”, ist die Wirtin enttäuscht.

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