So geht’s beim Großprojekt Kraftwerk Supllersee voran

Vorarlberg / 20.11.2020 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Kraftwerks- und Leitungsbauer sind derzeit im bis zu 40 Grad steilen Gelände zu Gange.<span class="copyright">ÖBB</span>
Die Kraftwerks- und Leitungsbauer sind derzeit im bis zu 40 Grad steilen Gelände zu Gange.ÖBB

Modernisierung des Kraftwerks Spullersee kämpft mit zeitlicher Verzögerung. Bis Ende Jänner sind Nacht- und Wochenendarbeiten nötig.

Dalaas Das von den ÖBB in den Jahren 1919 bis 1925 als Bahnstromkraftwerk errichtete Kraftwerk Spullersee befindet sich derzeit inmitten eines seiner größten Umbauvorhaben in seiner rund 100-jährigen Geschichte. Im Zuge der aktuell laufenden Hauptbauphase werden das Stollenrohr am Speicher Spullersee sowie der Einbau der neuen, erdverlegten Stahldruckleitung am Dürrenberg umgesetzt. Die ÖBB investieren in das Projekt rund 31 Millionen Euro.

Arbeiten bei 40 Grad Gefälle

Seit Juli 2020 wird anstelle der drei Druckrohrleitungen im Bereich Dürrenberg ein neues, 1460 Meter langes, erdverlegtes Stahldruckrohr errichtet. Dieses Stahlrohr weist einen Durchmesser von 1,1 Meter bzw. Wanddicken von bis zu 25 Millimeter auf. Diese Arbeiten sind höchst herausfordernd, da sie im bis zu 40 Grad steilen, unzugänglichen Gelände durchgeführt werden müssen. Dazu werden die rund 13 Meter langen Stahlrohre auf der Baueinrichtungsfläche neben dem Kraftwerk Spullersee aufwendig für die Verlegung vorbereitet. Es werden Schutzmatten auf die Rohre aufgebracht, Transporthilfen angebracht und die Schweiß-Stöße vorbereitet. Danach wird jedes Rohr mit einem Gewicht von bis zu fünf Tonnen mittels Kabelkran über die Arlbergstrecke hinweg ins steile Gelände gehoben, und dort vor Ort in den vorbereiteten Rohrgraben eingebaut. „Alle Rohre werden durch Schweißen miteinander verbunden, sodass nach Fertigstellung der Druckrohrleitung ein langes durchgehendes Stahlrohr im Gelände verlegt ist. Dieses Rohr wird durch zwei Festpunkte und fünf Querriegel im Gelände fixiert“, informiert ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair. Durch die Verlegung unter die Erde ist dieses Rohr künftig vor Naturgefahren wie Lawinen, Muren und Frost geschützt.

Fertigstellung im Mai 2021

Der Ausbruch von Covid-19 hat auch die Arbeiten am Kraftwerk Spullersee vor neue Herausforderungen gestellt. Nach Bekanntwerden der Corona-Auswirkungen und Verkündung der Handlungsanweisung der Bau-Sozialpartner wurde der Baustellenbetrieb an die neuen Umstände angepasst. „Aufgrund der herausfordernden neuen Bedingungen wurde jedoch die Baueinrichtungsphase nachhaltig beeinflusst, was zu zeitlichen Verzögerungen geführt hat“, so Gasser-Mair. Deshalb unternehmen die ÖBB gemeinsam mit der bauausführenden Firma alles, um die Verzögerungen in der schneefreien Zeit bestmöglich zu kompensieren. In den kommenden Monaten sind daher Extraschichten in Form von Nacht- und Wochenendarbeiten notwendig. „Die ÖBB sind bemüht, die Unannehmlichkeiten für die Anrainerinnen und Anrainer so gering wie möglich zu halten und bitten um Verständnis für die notwendigen Arbeiten“, so der ÖBB-Pressesprecher weiter.

Die Fertigstellung erfolgt voraussichtlich im Mai 2021. Im Anschluss daran geht das Kraftwerk mit 36 Megawatt Ausbauleistung in den Probebetrieb.

Kontrollen und Wartungsarbeiten

Parallel zur baubedingten Abstellung des Kraftwerks werden umfangreiche Kontroll- und Wartungstätigkeiten im Kraftwerk Spullersee durchgeführt. Darunter fällt unter anderem auch die Inspektion der Generatoren, eine Erneuerung der Leittechnik und auch eine Erneuerung der mechanischen Turbinenregler. Nach Abschluss der Restarbeiten soll das Projekt im Jahr 2022 abgeschlossen sein. VN-JS

„Wir sind darum bemüht, die Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten.“

Christoph Gasser-Mair, ÖBB Pressesprecher
Die neuen Rohre werden im Tal vorbereitet und via Kran in Stellung gebracht.
Die neuen Rohre werden im Tal vorbereitet und via Kran in Stellung gebracht.
Die Schweißbrenner laufen beim Bauprojekt in Wald am Arlberg heiß.
Die Schweißbrenner laufen beim Bauprojekt in Wald am Arlberg heiß.

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