Vor 100 Jahren: Werft für die „Sowitasgoht“

Vorarlberg / 29.11.2020 • 17:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Vor 100 Jahren entstand am Baggerloch in Hard die „Bodenseewerft“ von Amerika-Segler Franz Plunder, links die Schiffbauhalle von Karl Josef Dörler. <span class="copyright">Archiv MGH/2</span></p><p class="caption"/>

Vor 100 Jahren entstand am Baggerloch in Hard die „Bodenseewerft“ von Amerika-Segler Franz Plunder, links die Schiffbauhalle von Karl Josef Dörler. Archiv MGH/2

HARD Das Abenteuer von vier Seefahrern vom Bodensee vermag noch heute zu begeistern. Sie bauten sich in Hard die hochseetüchtige Jacht „Sowitasgoht V“ und segelten damit eben so weit es ging – in 41 Tagen bis nach Amerika. Vor genau 100 Jahren wurde die Werft für den Bootsbau am Seeufer in Hard errichtet.

Im „Harderbuch“ von 1955 steht unter der Jahreszahl 1920 zu lesen: „Am Baggerloch wurden eine Werkstätte und Schiffbauhalle der Firma Plunder & Co. für den Bau von Segel- und Motorbooten, die ,Bodenseewerft‘, eröffnet. Die Anlage erwarb dann der nachmalige Volkswagenkonstrukteur Dr. Ferdinand Porsche, der einen Flugbootbau einrichten wollte.“

Werft am Bodenseeufer

Die Idee zur Überquerung des Ozeans in einer selbstgebauten Jacht war dem Bregenzer Franz Plunder offenbar 1913 während einer Überfahrt Richtung Amerika gekommen. Gestartet wurde das Unternehmen dann im Jahr 1920.

Am damals beinahe unbebauten Seeufer in Hard konnte er seine Werft errichten, mit dabei waren Josef Einsle und Fred Jochum. Die drei bauten Jachten für Schweizer Kunden, um sich ihren Traum zu finanzieren. Nach drei Jahren war es so weit: Am Pfingstsonntag erfolgte der Stapellauf der „Sowitasgoht V“, beobachtet von vielen Tausend Zuschauern. Dann ging es über Bodensee und Rhein ins Meer, am
14. September 1923 erreichten die drei Vorarlberger, begleitet von Josef Ledergerber aus Friedrichshafen, New York.

Porsche-Gastspiel

Die Bodenseewerft am Baggerloch (heute Zollhafen) wurde schließlich von Dr. Ferdinand Porsche erworben, ebenso wie etliche weitere Grundstücke an der Harder Bucht. Dort wollte der Konstrukteur sowohl Flugboote als auch Kraftfahrzeuge bauen. Das zumindest stand im Vertrag mit der Marktgemeinde Hard. Sie rechnete mit Arbeitsplätzen und wirtschaftlichem Aufschwung, Weltwirtschaftskrise und Geldentwertung bremsten die Euphorie rasch. Nach jahrelangem Gerichtsstreit wurden die Kaufverträge aufgelöst.

Kleinwagen aus Hard

Die einzigen Autos, die in Hard um 1924 tatsächlich gebaut wurden, kamen von Gianni Varrone, einem früheren Mitarbeiter in Porsches Bodenseewerft. Seine VAR-Einzelstücke von Autos mit drei Sitzplätzen verschwanden aber rasch wieder von den Straßen. Auch dieses Experiment fiel der Weltwirtschaftskrise zum Opfer. AJK

<p class="caption">Die „Bodenseewerft“, im Vordergrund das Baggerloch. Mit der „So­witasgoht V“ segelten Franz Plunder und seine Kameraden bis nach New York. <span class="copyright">Volare.vorarlberg</span></p><p class="caption"/>

Die „Bodenseewerft“, im Vordergrund das Baggerloch. Mit der „So­witasgoht V“ segelten Franz Plunder und seine Kameraden bis nach New York. Volare.vorarlberg

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