So denkt der neue Bürgermeister von Blons

Erich Kaufmann sprach mit den VN über laufende Projekte, die Coronakrise und die Herausforderungen Bürgermeister einer Kleingemeinde zu sein.
Blons Nach 15 Jahren als Vizebürgermeister entschloss sich Erich Kaufmann nach dem Rückzug von Bürgermeister Stefan Bachmann zum Schritt in die erste Reihe. Mit dem Baubeginn der ersten gemeinnützigen Wohnanlage darf sich der Neobürgermeister gleich zu Beginn seiner Amtszeit über die Realisierung eins lang ersehnten Projekts freuen.
Was hat Sie dazu bewogen, das Bürgermeisteramt zu übernehmen?
Kaufmann Ich bin schon 20 Jahre in der Gemeindepolitik aktiv. Mein Vorgänger Stefan Bachmann war 15 Jahre Bürgermeister und hat gesagt, er steht nicht mehr zur Verfügung. Er und die Gemeindevertretung sind auf mich zugekommen und nach reiflicher Überlegung habe ich die Entscheidung gefällt, mich der Herausforderung zu stellen. Es ist eine spannende, reizvolle Arbeit. Ich habe auf ein gutes Team in der Gemeindevertretung gehofft. Das hat gut geklappt.
Hat Ihnen Ihr Vorgänger etwas mit auf den Weg gegeben an Ratschlägen?
Kaufmann Er meinte man solle immer einen kühlen Kopf bewahren. Trotz der unterschiedlichen Interessen sollte man sachlich bleiben und versuchen, das Beste im Interesse des Gemeinwohls zu erreichen. So kann man die besten Entscheidungen finden.
Wie lässt sich das Bürgermeisteramt mit Beruf und Familie verbinden?
Kaufmann Ich bin ja Teilzeit-Bürgermeister und zu 70 Prozent beim Land Vorarlberg beschäftigt. Es ist schon eine große Herausforderung, aber mit einem guten Team und vereinten Kräften lässt sich das schon bewältigen. Die Doppelbelastung mit Beruf und Bürgermeisteramt ist sicherlich auch ein Punkt, warum es bei Kleingemeinden schwer ist, Kandidatinnen zu finden.
Wie gehen Sie persönlich mit der Coronakrise um bzw. welchen Einfluss hat die Pandemie auf die Gemeinde?
Kaufmann Auf mich persönlich: Es sind gewisse Einschränkungen spürbar, aber man muss sehen, dass wir nicht so stark betroffen sind, insofern als dass wir ausreichend zu essen und zu trinken haben. Uns fehlt es an nichts. Die sozialen Kontakte, gehen natürlich ab, aber man findet Möglichkeiten, mithilfe neuer Medien in Kontakt zu bleiben. Letztlich muss man aus der Situation das Beste machen. Es nützt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Auf die Gemeinde: Es gibt natürlich nur sehr eingeschränkten Parteienverkehr und weniger Sitzungen. Die Ausschüsse können nicht tagen. Das fehlt natürlich schon, gerade nach den Wahlen und der Neubestellung der Ausschüsse. Einige Mitglieder sind neu gewählt und sehr motiviert. Online ist schon alles ein wenig gehemmt. Es wäre schon gut, wenn man sich physisch treffen könnte, um die Perspektiven und Zukunftsziele der Gemeinde fassen zu können und gemeinsam auszuarbeiten.
Im Großen Walsertal war in den letzten Jahren immer wieder von Abwanderung die Rede. Kürzlich erfolgte der Auftakt für das erste gemeinnützige Wohnbauprojekt in Blons. Können Sie dieses etwas beschreiben?
Kaufmann Es ist eine Wohnanlage geplant mit insgesamt acht Wohnungen. Gleichzeitig ist ein gewerblich genutzter Bereich mit zirka 290 m2 Bürofläche dabei. Eine Besonderheit ist der Mix aus Wohnen und Arbeiten. Das liegt mir sehr am Herzen. Hier haben wir auch lange dafür gekämpft, um einen guten Kompromiss zu finden. Es ist ja nicht nur wichtig, Wohnraum zu schaffen, sondern in gleicher Weise auch Arbeitsplätze anzubieten, um für junge Leute attraktiv zu sein.
Wie schaut es generell mit dem Wohnbedarf aus? Gibt es genug Wohnraum für junge Familien?
Kaufmann Es gibt einen Bedarf. Natürlich muss man auch zuerst ein Angebot schaffen, sodass ein Bedarf entsteht und angeregt wird. Wir haben zwei Drittel der Büroflächen schon belegt, ein Drittel ist noch offen. Da sind wir derzeit in Gesprächen, um auch diesen zu füllen. Es gibt durchaus Bedarf, aber Angebot und Nachfrage sind immer wechselseitig bedingt. Ansonsten wollen wir neben dem gemeinnützigen Wohnbau weiterhin für junge Familien auch Baugründe zur Verfügung stellen, damit diese hier ihr Einfamilienhaus errichten können.
Gibt es weitere Projekte – Stichwort Infrastruktur –, die in Blons in naher Zukunft anstehen?
Kaufmann Wir haben vor zwei, drei Jahren die gemeinsame Wasserversorgung mit der Wassergenossenschaft abgeschlossen, in diesem Zuge auch die Löschwasserversorgung mit errichtet. Somit haben wir hier flächendeckend eine sehr gute Wasserversorgung. Da dürfte mittel- und längerfristig kein Ausbaubedarf bestehen. Aber Themen wie die Schaffung von Wohnraum und vor allem die Aufrechterhaltung der Nahversorgung sind immer herausfordernd: Wir haben Dorfladen und Dorfgasthaus. Es ist recht schwierig dies aufrechtzuerhalten. Hier braucht es neben finanzieller Unterstützung der Gemeinden auch die Unterstützung durch uns alle, durch die Bewohner, dass man auch regional einkauft, um Wertschöpfung sowie Nahversorgung am Leben zu erhalten.
Zur Person
Erich Kaufmann
Geboren 3. Juli 1973
Familie verheiratet mit Elke, drei Kinder (17, 15 und 13 Jahre)
Erlernter Beruf Landesbediensteter
Hobbys Wandern, Fußball, Skifahren