Beginn und Ende eines traditionsreiches Kollegs

Vorarlberg / 21.03.2021 • 17:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das denkmalgeschützte Salvatorkolleg diente 1896 als Klosterschule. <span class="copyright">F. Böhringer</span>
Das denkmalgeschützte Salvatorkolleg diente 1896 als Klosterschule. F. Böhringer

Salvatorkolleg Lochau-Hörbranz, gebaut um die Jahrhundertwende, diente als Gymnasium und Internat.

Hörbranz Pater Franziskus M. v. Kreuze Jordan erwarb mit Hilfe von Freunden 1893 ein Anwesen mit Wohnhaus, Säge und mehreren Grundstücken in Hörbranz zum Gesamtpreis von 14.000 Gulden. Noch im selben Jahr konnte das neue Kolleg gegründet werden. Die Eröffnung erfolgte durch Pater Klemens M. Vitt, der auch der erste Obere der neuen Niederlassung wurde.

„Marienkolleg bei Bregenz“

Anfangs herrschte noch große Armut in diesem ersten, bescheidenen Kloster, das damals „Marienkolleg bei Bregenz“ genannt wurde. Dass es später seinen Namen Salvatorkolleg Lochau bekam, verdankt das Haus dem Umstand, dass Bahnstation und Poststelle für das Kolleg in Lochau waren. Der Ruggbach bildet hier die Grenze zwischen Lochau und Hörbranz und ist nur etwa zehn Meter vom Hauptgebäude des Kollegs entfernt. Heute ist das Salvatorkolleg ein denkmalgeschütztes Objekt und eine Bildungsstätte bzw. noch ein Seelsorgezentrum.

Lazarett im Krieg

Seit 1896 führen Salvatorianer im Salvatorkolleg in Hörbranz ein Studienhaus mit humanistischer Ausbildung für Schüler. Die Einrichtung war ursprünglich für den Ordensnachwuchs gedacht und deshalb 1896 als Klosterschule eröffnet. Am 1. Jänner 1912 hielten sich 15 Patres, acht Brüder, vier Brüderkandidaten, ein Professor, sechs Pfründner und 60 Schüler im Kolleg auf. Bis 1979 wurde es als Gymnasium mit Schülerheim bzw. Internat geführt, mit Ausnahme von Unterbrechungen im Krieg. Während der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde das Gebäude auch als Lazarett genutzt.

Nazis schlossen die Schule

Im Herbst 1938 schlossen die Nazis die Schule, am 1. November 1938 übernahm sie die Wehrmacht. Bis 1945 diente das Haus als Kaserne, danach war es ein Sammellager für Kriegsgefangene. 1945 konnte die Schule wieder eröffnet, und mit dem Wiederaufbau der Bibliothek begonnen werden.

Seit 1979 existiert die Schule nicht mehr, aber das Internat für die Schülerinnen der Landesberufsschule für das Gastgewerbe Lochau (Schloss Hofen) ist hier seit nunmehr 40 Jahren untergebracht. Das Kloster galt auch als landwirtschaftlicher Musterbetrieb, der die Seminaristen und Bewohner in der Umgebung versorgte.

Beeindruckende Bibliothek

Das Kolleg verfügt über eine beeindruckende Bibliothek. Die ersten Lehrer des 1896 eröffneten Studienhauses kamen aus Rom und brachten von dort Bücher mit. Sie bildeten die Basis der Bibliothek, die durch Käufe, Schenkungen und Nachlässe laufend ausgebaut wurde. Heute umfasst sie etwa 6000 Titel. Drei stammen aus dem 16. Jahrhundert, Zwölf aus dem 17. Jahrhundert, 25 aus dem 18. Jahrhundert und 1320 aus dem 19. Jahrhundert. Geplant hat das Salvatorkolleg, das 1903 bis 1904 im Stil des Historismus erbaut wurde, der Schweizer Architekt August Hardegger. Der Hauptturm ist rund 22 Meter hoch und die beiden Eckturmrisalite geben dem Gebäude einen mediterranen Akzent. Die große Gartenanlage ist heute noch Treffpunkt vieler Gartenfreunde aus der Umgebung.

Kloster muss schließen

Die Salvatorianer leisten immer noch wertvolle Dienste in der pastoralen Arbeit für das ganze Leiblachtal. Aufgrund fehlenden Nachwuchses – der Orden besteht nur noch aus fünf Brüdern und zwei Laien – muss das Kloster mit Ende 2021 bzw. Anfang 2022 endgültig seine Pforten schließen.

Wie es weitergeht, interessiert nicht nur die Bevölkerung. Verschiedene Vereine haben Ideen unterbreitet. Demnach soll das Klosterareal als Platz für Spiritualität, soziale Services, Bildungs- und gemeindeübergreifende Begegnungseinrichtungen erhalten bleiben. Wünsche sind auch eine gezielte Entwicklung des Standorts, beispielgebende Nahversorgungfunktionen und bedarfsgerechte Wohnungsmöglichkeiten.