Spontanes Testen, Spazieren, Einkehren: So schön ist es am Alten Rhein

Die Teststation beim Gasthaus “Rohr” und ihr attraktives Alleinstellungsmerkmal.
Lustenau Die drei Radfahrer gönnen sich nicht zufällig eine Pause beim “Rohr”. “Wir machen einen Radausflug nach Bregenz”, erzählt Sandra Lutz (43). “Wir wollen dort auch einkehren. Doch weil ich keinen aktuellen Test habe und von diesem Plätzchen erfahren habe, fuhren wir zuerst hierher.” Kaum hat sie fertig gesprochen, meldet sich das Handy mit dem SMS-Signal. “Negativ. Bestens. Jetzt können wir fahren”, lacht Lutz, während ihre Begleiter Christoph Schwärzler (48) und Gabriele Straubinger (48) die frohe Botschaft mit einem erfreuten Nicken quittieren. Nur 16 Minuten habe es vom Test bis zur Bekanntgabe des Resultats gedauert.

E-Card und sonst nichts
Am Anmeldeschalter beim Container hat sich Herbert Brandl (73) eingefunden Er schiebt seine E-Card unter der Plexiglasscheibe hindurch zu Benjamin Kettenhummer (20), der gemeinsam mit Anna Ortner (20) Dienst tut. Schnell ist der bürokratische Krimskrams erledigt. Brandl kann zum Test ein paar Meter weiter schreiten. “Das ist schon praktisch. Ich bin ein regelmäßiger Spaziergänger am Alten Rhein. Jetzt gehe ich vor dem Spazierengehen halt noch schnell testen, und danach kann ich wie immer einkehren.”

Die Wirtin war’s
Die Idee mit der Corona-Teststation ohne Voranmeldung hat sich “Rohr”-Wirtin Judith Wiener (48) ausgedacht. “Ich war unglängst im Metro. Da sah ich diesen Test-Container und wollte so etwas spontan auch bei mir haben. Ich habe mich erkundigt, was ich da tun muss. Ich erfuhr, dass das gar nicht kompliziert ist.” Die umtriebige Gastronomin schritt unverzüglich zur Tat. Sie kontaktierte den privaten Testanbieter AMZ, schloss sich mit einer Lustenauer Apotheke kurz und fragte wegen der Genehmigung zum Aufstellen des Containers auf dem Parkplatz die Gemeinde Lustenau. “Von meinem Entschluss bis zum ersten Test vergingen eineineinhalb Wochen. Ich darf feststellen: Die Leute nehmen das Angebot gerne an, die Frequenz im Gasthaus ist seitdem gestiegen.”

Außergewöhnlich
Bürgermeister Kurt Fischer (57) zeigt sich über solche Eigeninitiativen hocherfreut. “Hier hat sich eine umtriebige Unternehmerin nicht unterkriegen lassen und mit ihrer Idee nicht nur das Geschäft belebt, sondern vielen Bürgern einen echten Gefallen getan.”
Tatsächlich bietet der Testcontainer am “Rohr”, was andere Teststationen nicht bieten. Die Station hat sieben Tage die Woche von neun bis 19 Uhr geöffnet. Es ist keine Anmeldung nötig. Und sie bietet vor allem an Wochenenden in Lustenau und Umgebung, wenn alle Termine an den anderen Plätzen vergeben sind, oft die einzige Testmöglichkeit.