Wie Qamar Abbas eine neue Chance erhält

Vorarlberg / 05.05.2021 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie Qamar Abbas eine neue Chance erhält
Qamar Abbas möchte wieder nach Vorarlberg.

Neues Verfahren für abgeschobenen Lustenauer Lehrling angesetzt.

Schwarzach, Wien, islamabad Wenn sich Anwalt Stefan Harg an den Oktober 2018 erinnert, ist er immer noch fassungslos. “So etwas habe ich noch nie erlebt.” Am 27. Oktober 2018 wird sein Mandant, der Lustenauer Lehrling Qamar Abbas, nach Pakistan abgeschoben. Qamar Abbas steht stellvertretend für junge integrierte Lehrlinge, die abgeschoben werden. Seit Dezember 2019 dürfte er die Lehre abschließen – 2018 sind die Regeln noch strikter. Nun kommt wieder Bewegung in die Causa. Am 7. Juli findet in Linz die Neuauflage des Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht statt. Abbas sollte dafür nach Österreich zurückkehren.

Vertreter aus Politik und Gesellschaft machten sich 2018 für die Lehrlinge stark. Auch für Qamar Abbas. ÖGB
Vertreter aus Politik und Gesellschaft machten sich 2018 für die Lehrlinge stark. Auch für Qamar Abbas. ÖGB

Abbas probiert 2018 alles, um nicht ausreisen zu müssen. Als die Polizei einschreitet, taucht er unter. Der Protest ist groß. In Lustenau präsentiert sich, angeführt vom damaligen ÖGB-Präsidenten Norbert Loacker, ein Bündnis mit der Forderung, Lehrlingen vorübergehend ein Bleiberecht zu ermöglichen. Im konkreten Fall hilft es nichts. Qamar Abbas wird in Schubhaft genommen. Am 24. Oktober hebt das Bundesverwaltungsgericht die Rückkehrentscheidung auf. Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) lädt zu einer neuen Verhandlung ein. Sie soll schon am Folgetag um 9 Uhr Früh in Wien stattfinden.

<p class="infozeile">Anwalt Stefan Harg hat den Fall im Buch von Norbert Loacker geschildert. <span class="copyright">VN/Hartinger</span></p>

Anwalt Stefan Harg hat den Fall im Buch von Norbert Loacker geschildert. VN/Hartinger

Anwalt Ludwig Weh ist überzeugt: “Das war Absicht. Sie rechneten nicht damit, dass eine Vertretung aus Vorarlberg so kurzfristig anreist.” Doch dem war nicht so. Stefan Harg erinnert sich: “Die Verhandlung war chaotisch, der Akt war noch gar nicht da.” Selbst Abbas selbst fehlte. “Die Vertreter waren offenbar überrascht, dass wir gekommen sind.” Eine Juristin sei immer wieder rausgegangen, um sich mit dem Ministerium abzusprechen. Weh sagt heute: “Man wollte ein Exempel statuieren.” Um 14 Uhr wird die Verhandlung plötzlich abgebrochen. Harg und Loacker wird mit der Polizei gedroht, sollten sie den Raum nicht verlassen. Zwei Tage später wird Abbas abgeschoben.

Gleich festgenommen

In Pakistan wird er umgehend verhaftet und nach eigenen Angaben misshandelt. Mit 500 Euro kann er sich freikaufen. Am 23. Jänner 2020 entscheidet der Verwaltungsgerichtshof, dass die Abschiebung nicht rechtskräftig war. Norbert Loacker ärgert sich noch heute: “Er hätte nicht abgeschoben werden dürfen, es wurde aber auf brutalste Weise getan.” Mittlerweile ist Qamar Abbas 29 Jahre alt. Er wohnt in der Stadt Narowal und ist verheiratet, wie er den VN erzählt. “Ich fühle mich nicht gut hier. Ich vermisse mein Leben in Vorarlberg.” In Lustenau könnte er sofort wieder arbeiten, der Kontakt ist nie abgebrochen. “Sieben Jahre habe ich in Vorarlberg gelebt.” Nun steigen seine Chancen auf eine Rückkehr. Nachdem sich Monate lang nichts getan hat, steht die neue Verhandlung bevor. Nun muss es noch mit dem Visum klappen. Seine Anwälte haben noch ein zweites Verfahren am Landesgericht Feldkirch offen: Abbas verklagt die Republik auf Schadensersatz.

Qamar Abbas.
Qamar Abbas.

Norbert Loacker verspricht, dass Abbas nicht allein gelassen wird. “Wir stellen gerade eine Abordnung aus Vorarlberg zusammen, die nach Linz fährt.” Stefan Harg ist überzeugt: “Diese rechtswidrige Abschiebung gehört rasch korrigiert. Qamar Abbas soll seine Lehre beenden dürfen und anschließend wird sein Status bewertet.” Abbas hat nur einen Wunsch: “Ich hoffe, dass ich bald zurückkehren kann.”

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