Die Stopp-Corona-App könnte bald ausgedient haben

1,45 Millionen Downloads: Lässt es die Infektionslage zu, wird die Anwendung vom Markt genommen.
Wien Einst war die Stopp-Corona-App das Prestigeprojekt des Kanzlers. Ursprünglich kündigte Sebastian Kurz (ÖVP) sogar Schlüsselanhänger für alle an, die kein Handy besitzen, um die App nutzen zu können. Je mehr Zeit verstrich, desto weniger wollte er aber von der Anwendung wissen. Die Diskussion um eine Verpflichtung, die ÖVP-Politiker wie Wolfgang Sobotka angetrieben hatten, sowie kleinere Fehler bei der Programmierung schadeten am Ende der Verbreitung. Das Rote Kreuz hat das Projekt binnen kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Freiwilligkeit und höchster Datenschutz hätten dabei immer Priorität gehabt, erzählt Thomas Marecek, Sprecher des Roten Kreuzes, auf VN-Anfrage. „Die Stopp-Corona-App hat den Zweck, Infektionsketten zu unterbrechen.“ Wenn es die epidemiologische Lage zulasse, werde sie vom Markt genommen. „Ein genauer Zeitpunkt dafür ist noch nicht festgelegt“, hält der Rotkreuz-Sprecher fest.
13.400 Warnmeldungen
Bisher wurde die Stopp-Corona-App in Österreich 1,45 Millionen Mal heruntergeladen: „Wie viele Menschen sie aktiv nutzen, können wir aus Datenschutzgründen nicht nachvollziehen. Wir schätzen, dass es rund 600.000 sind“, fährt Marecek fort. 13.400 Personen hätten ihre Kontakte bislang gewarnt. Das geschieht im Fall eines Coronaverdachts oder einer Infektion. Als Kontakte gelten Personen, die in den vergangenen 54 Stunden mindestens 15 Minuten weniger als zwei Meter voneinander entfernt waren. Wenn 13.400 Personen also eine Warnmeldung ausgaben, bedeutet dies, dass Zehntausende User benachrichtigt worden sind. Wie viele genau, lasse sich wiederum aus Datenschutzgründen nicht nachvollziehen.
Drei Millionen Euro
Die Stopp-Corona-App kostete bislang rund drei Millionen Euro, sagt Marecek. Das Geld sei in die Konzeption, Entwicklung, Programmierung, Weiterentwicklung und den laufenden Betrieb geflossen. „Zwei Millionen stammen aus einer Spende der Uniqua-Stiftung und knapp eine Million aus einer Förderung des Gesundheitsministeriums.“ Von der Politik fühlte man sich beim Roten Kreuz zeitweise gut unterstützt. Zahlreiche Politiker, allen voran der ehemalige Gesundheitsminister Rudolf Anschober, warben für die Verwendung der App. „Rückblickend hat in den Anfangstagen allerdings die politische Diskussion um eine Verpflichtung der Verbreitung der App geschadet.“
In Frage gestellt werde die Anwendung aber nicht. Vor allem in Hinblick auf Auslandsreisen in den kommenden Wochen und Monaten sei es sinnvoll, sie zu nutzen, erklärt der Sprecher des Roten Kreuzes. Allerdings entschieden sich nur 17 EU- und EWR-Staaten dafür, dass ihre nationalen Apps auch grenzüberschreitend funktionieren. Neben Österreich ist die Stopp-Corona-App unter anderem in Deutschland, Italien, Spanien und Zypern funktionsfähig, nicht aber in der Schweiz oder in Frankreich.
Die Idee, sie zu einem Impf- und Testnachweis zu machen, ist im Sand verlaufen. Die Bundesregierung entschied sich für einen anderen Weg. Die Elga GmbH koordiniert in Zusammenarbeit mit Ländern, Sozialversicherung und Gesundheitsressort den Grünen Pass, der ab 4. Juni in Österreich zum Einsatz kommen soll. VN-ebi