Diesen Weg muss er allein gehen

Abdullah hat einen Lehrabschluss, aber noch keinen Asylstatus. Verhandlung demnächst.
Dornbirn, Wolfurt Sein neues Leben passt in eine DIN-A-4-Mappe. Die hütet Abdullah Farahmand (22) allerdings wie seinen Augapfel, denn sie enthält alles an Dokumenten, Zeugnissen und Zertifikaten, die ihm zum erhofften Asylstatus verhelfen könnten. Vor gut sechs Jahren wurde der junge Afghane im Sog der großen Flüchtlingswelle nach Österreich und schließlich nach Vorarlberg gespült.
Hier hat Abdullah versucht, rasch auf eigenen Beinen zu stehen. Während seiner Betreuung durch die Caritas-Flüchtlingshilfe büffelte er intensiv Deutsch und besuchte sechs Monate die Handelsakademie in Feldkirch. „Ohne Sprache geht nichts“, wusste Abdullah schon früh.
Mit gutem Erfolg
Inzwischen hat er eine Wohnung und sich seinen Berufswunsch erfüllt. Abdullah bestand die Lehre als Zerspanungstechniker mit gutem Erfolg. Nicht nur er ist stolz darauf, sondern auch sein Ausbildner bei der Firma Meusburger in Wolfurt, Peter Willam. „Abdullah machte sich von Anfang an gut“, erzählt er. Deshalb wurde der junge Mann gerne übernommen. „Von unserer Seite aus hat er ein unbefristetes Arbeitsverhältnis“, bekräftigt Willam. Was Abdullah Farahmand fehlt, ist ein unbefristetes Aufenthaltsrecht. Sein Asylverfahren ist noch in Schwebe. Am Montag, 7. Juni 2021, findet vor dem Verwaltungsgerichtshof in Wien das entscheidende Verfahren statt. Abdullah hofft inständig, dass es gut ausgeht. Der subsidiäre Schutz, den er derzeit genießt, ist einer mit immer wiederkehrendem Ablaufdatum.
Abdullah Farahmand hatte sich allein auf die gefährliche Reise in eine ungefährlichere Zukunft gemacht. Als Grund nennt er die unruhigen politischen Verhältnisse. Seine Familie blieb in Afghanistan zurück. Der Gedanke daran schmerzt Abdullah immer noch. „Es tut weh“, merkt er an. Gleichzeitig ist er voller Mut. Schon 2016 bewarb er sich bei der Meusburger Georg GmbH &Co KG für eine Lehrstelle.
„Damals waren aber leider schon alle Ausbildungsplätze vergeben“, erklärt Peter Willam. Abdullah wartete ein Jahr, paukte wieder Deutsch, bewarb sich neuerlich und diesmal mit Erfolg. Zwei Schnuppertage reichten, um Peter Willam, Abteilungsleiter Ausbildung, von den Qualitäten des Afghanen zu überzeugen. Vor Beginn der Lehre durchlief Abdullah ein Praktikum, dann ging es ab in die Lehrwerkstätte. Unterstützung kam von allen Seiten, inklusive Nachhilfe in den verschiedensten Fachrichtungen und Fächern. Abdullah wiederum behalf sich mit einem selbstgestalteten Wörterbuch, das die wichtigsten Begriffe in seiner Heimatsprache, in Deutsch sowie auf „Vorarlbergerisch“ enthielt.
Vom Gesellen zum Meister
Jetzt hat der junge Mann schon das nächste Ziel vor Augen. Er möchte vom Gesellen zum Meister werden. Peter Willam bremst ihn mit einem freundlich-kollegialen Blick: „Ich habe ihm geraten, zuerst Erfahrungen im Beruf zu sammeln und anschließend mit dem Meisterbrief zu beginnen.“ Dass er Abdullah auch auf diesem Weg begleitet, steht schon fest. Den Weg zum Verwaltungsgerichtshof nach Wien muss Abdullah hingegen allein gehen. Auf sein Gesicht legt sich ein schüchternes Lächeln. Er möchte so gerne unbeschwert arbeiten, Fußball spielen und sich mit Freunden treffen können, die er in Vorarlberg schon längst gefunden hat.
