Goldene Ära und Ende des Blumeneggsaals

Saal und Hotel Blumenegg entstanden vor rund 120 Jahren.
Bregenz Der ursprüngliche Blumenegg-Baukomplex im Bregenzer Vorkloster bestand aus dem Hotel mit Gasträumen, Küche, Buffetraum und Zimmern, dem angebauten Saal mit Galerie, Bühne und Umkleideräumen sowie einigen Nebengebäuden. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes befanden sich zwei Gasträume, im Obergeschoss ein dritter. Der Saal mit Galerie, Bühne und Umkleideräumen war mit einer Länge von rund 22 Metern der größte Saal des Vorarlberger Unterlandes. Im Kellergeschoss befand sich eine Kegelbahn.
Versteigerung im Jahr 1907
Die Hoffnungen der Investoren auf gute Umsätze und Gewinne im Gefolge der boomenden Industrie erfüllten sich nicht. Bereits fünf Jahre nach der Eröffnung, 1907, stand das Hotel samt Nebengebäuden zur Versteigerung an. Es gehörte damals dem Wiener Immobilien-Spekulanten Sucharipa. Zu einem Preis von 105.000 Kronen erhielt Rieden den Zuschlag. Ein gutes Geschäft für die Gemeinde, denn der Schätzwert betrug 242.000 Kronen. Ein Jahr später, 1908, wurde das k.k. Postamt mit Telegraphen- und Telefondienst eröffnet.
Rathaus, Wachlokal, Reservespital
1913 wurde der Kindergarten Blumenegg unter der Leitung zweier Bramherziger Schwestern eröffnet. Damals waren auch Rathaus, Spritzenhaus und ein Wachlokal mit Arrestzellen im Hoteltrakt untergebracht, nachdem das Hotel keinen Pächter mehr gefunden hatte. Im Ersten Weltkrieg diente der Saal als Notreservespital mit 200 Betten.
Goldene Jahre bis 1937
Durch die Vereinigung der Gemeinde Rieden mit Bregenz kam das gesamte Areal 1919 in den Besitz der Stadt Bregenz. Die Jahre von 1919 bis 1937 waren die goldenen Jahre des Blumeneggsaals mit Theater- und Konzertaufführungen von Vorklöstner Vereinen und auswärtigen Ensembles. In der Saison 1922/23 fanden im Saal über 100 Veranstaltungen statt.
Am 1. Juli 1937 wechselte das Blumenegg-Areal erneut den Besitzer – die Firma Maggi kauft das Gelände samt einem Teil der Brosswaldenstraße um 255.343 Schilling auf. Das Inventar des ehemaligen Hotels – Möbel, Geschirr usw. – wurde an städtische Schulen und Anstalten verteilt.
1940 reaktivierte die NSDAP-Ortsgruppe Bregenz den Saal für Veranstaltungen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm wieder Maggi den Saal.
1978 verkaufte schließlich Nestlé das Areal an die Erste Allgemeine Versicherungs AG. 1980 wurden alle Nebengebäude abgerissen, nur der Saal blieb stehen. Fahrschulbesitzer und Stadtvertreter Heinz Wallner wollte ihn für die Vereine im Vorkloster wiederbeleben, doch stießen seine Bemühungen bei der SPÖ auf wenig Gegenliebe.
Saal wurde renoviert
Als Heinz Wallner 1988 Bregenzer Faschingsprinz wurde, lud er in den schon recht desolaten Saal zur Prinzenparty. Erst Bürgermeister Siegfried Gasser gab 1994 den Startschuss für den kostenaufwendigen Umbau und die notwendige Renovierung. 1995 erstrahlte der altehrwürdige Saal schließlich im neuen Glanz. Lange währte die Freude darüber aber nicht. Diese Wiederbelebung stieß bei manchen auf wenig Gegenliebe. Schließlich wurde die Gastronomie nicht mehr vergeben und das war dann der endgültige Todesstoß für den Saal. Ab 2004 stand das Gebäude viele Jahre leer, bis der Saal 2012 abgerissen wurde. Fst
