Weil er wollte, dass endlich Ruhe ist: Hotelier brutal attackiert

Vorarlberg / 09.06.2021 • 08:30 Uhr
Weil er wollte, dass endlich Ruhe ist: Hotelier brutal attackiert
Hier wurde Karlheinz Hehle zusammen­geschlagen. VN/PAULITSCH 

Eichenberg wird immer öfter zur Partyzone. Bürgermeister kündigt Sofortmaßnahme an.

Eichenberg „Bitte Lärm vermeiden. Ab 22 Uhr ist Nachtruhe“, steht auf dem gelben Schild, das auf die Platzordnung am Aussichtpunkt Dorf in Eichenberg aufmerksam machen soll. Die Besucher, die hier zu später Stunde aufkreuzen, kümmert das aber offenbar wenig. Der Platz hat sich zu einem beliebten Treffpunkt für junge Leute entwickelt. Für Karlheinz Hehle (61) vom Hotel-Restaurant Schönblick, das direkt neben dem Aussichtspunkt liegt, ist das längst kein Spaß mehr. Am vergangenen Wochenende ist die Situation endgültig eskaliert. Der Hotelier wurde brutal attackiert.

Auf der Straße

Es passierte in der Nacht auf Samstag gegen 1 Uhr. Bevor sich Karlheinz Hehle auf den Nachhauseweg machte, ging er zu einem Auto, das vor dem Hotel auf der Straße parkte. „Die Musik war aufgedreht, es wurde lautstark geredet, der Motor lief. Ich habe bloß gesagt, bitte seien Sie jetzt ruhig und stellen Sie den Motor ab. Dann ist einer ganz aggressiv aus dem Auto gehüpft und ich hatte gleich mal die Brille weg. Als ich am Boden gelegen bin, haben sie auf mich eingeschlagen“, schildert der 61-Jährige. Sein Glück: Zwei junge Ehepaare, die sich vor dem Schlafengehen noch bei der Rezeption unterhielten, bemerkten den Vorfall und eilten dem Hotelchef zu Hilfe. Auch die Polizei sei relativ schnell dagewesen. „Aber da waren die Typen schon verschwunden“, sagt Hehle, der nach der Attacke mit heftigen Schmerzen im Bereich des Brustkorbs zu kämpfen hat.

Die Gemeinde hat ein Schild aufgestellt. Hehle fordert einen Zaun. <span class="copyright"><br/></span>
Die Gemeinde hat ein Schild aufgestellt. Hehle fordert einen Zaun.

Das Lärmproblem besteht laut Hehle schon länger. Als der Platz vor ein paar Jahren von der Gemeinde umgestaltet wurde, sei es immer ärger geworden. „In letzter Zeit hat es sich aber noch einmal gesteigert. Da der Punkt scheinbar immer bekannter wird, muss man jetzt was unternehmen“, fordert der Anrainer. In der Regel würden die Besucher, die bis von Friedrichshafen, Feldkirch oder Liechtenstein anreisten, zwischen 22 und 3 Uhr aufkreuzen. In einer Nacht gäben sich bis zu 60 Leute die Klinke in die Hand. „Die ein Partie geht, die andere kommt. Die meisten bleiben 20 Minuten“, erläutert Hehle. Die Hoteliersfamilie hätte nichts dagegen, „wenn es Leute wären, die einfach dasitzen und die Aussicht genießen. Aber es gibt sehr oft eine Lärmbelästigung. Sie trinken Bier, sind laut und schreien herum. Oft rasen sie auch mit vollem Karacho herauf“, ergänzt der Hotelchef. Die Gemeinde habe schon öfters versprochen, etwas zu unternehmen. Die einzige Maßnahme sei bislang gewesen, dass die Tafel aufgestellt wurde. „Aber das liest halt niemand.“ Hehle wünscht sich vielmehr einen Zaun, den man in der Nacht absperren kann, und eine Kamera.

Sofortmaßnahme

Bürgermeister Josef Degasper kann „nicht unbedingt bestätigen, dass wir nichts tun“, sagt er auf VN-Anfrage. „Aber wir müssen uns an die Gesetze halten.“ Das Problem sei bekannt, seit die Gasthäuser wieder offen sind, wäre es wieder aktuell geworden. Von der Attacke auf Karlheinz Hehle hat der Bürgermeister eigenen Angaben zufolge am Dienstag erfahren. Heute, Mittwoch, will er sich den Sachverhalt bei einem Termin mit der Polizei genau darlegen lassen. „Ich werde mich auch mit ihnen beraten, was wir tun können“, führt er aus. Fest stehe bereits, dass der Platz als Sofortmaßnahme demnächst mit einem Bauzaun gesperrt werde. „Dann werden wir uns überlegen, welche ortspolizeilichen Maßnahmen wir setzen können. So eine Maßnahme hat Folgen für den ganzen Ort“, merkt Degasper an.