Spielverderber
Eis schleckend und Espresso schlürfend, Arm in Arm auf der Promenade oder Schulter an Schulter vor der Großleinwand, schwimmend, sonnenbadend, oder nachts in wilder Ekstase zum Leidwesen lärmgeplagter Nachbarn – in all diesen Bildern kullert uns der Sommer entgegen. Von einem Alptraum befreit, wie es scheint. Wie die Pandemie vor anderthalb Jahren über uns hereingebrochen ist und mit einem Schlag das öffentliche Leben zum Erliegen brachte, wenigstens so schnell soll sich die Seuche jetzt wieder schleichen. Ach was, vergessen werden! Weggetanzt! Ausgelacht!
Dabei sind die Praxen voll. Mag sein, dass selbst die Psychotherapeutinnen und – therapeuten mitunter durch die Jalousien ihrer Behandlungszimmer verstohlen sehnsüchtige Blicke nach draußen werfen, aber es hilft nichts. Während die einen feiern, haben andere erneut damit zu kämpfen, wie schnell sich das alles ändert. Vielleicht beneiden sie die Menge sogar um ihre Leichtigkeit, mit der sie durch sonnendurchflutete Tage tänzelt. Allein, sie haben noch all die Attribute im Ohr, mit denen die Pandemie vor kurzem bedacht wurde: Als Jahrhundertereignis, Katastrophe epischen Ausmaßes usw. Und jetzt? Alles Samba?
Erneut regiert ein verstörendes Nebeneinander unterschiedlicher Geschwindigkeiten, und manch einer bleibt ratlos zurück. Seine Ängste und Fragen behält er freilich ganz für sich, denn wer will schon ein Spielverderber sein?
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