Meteorologe: Warum das Wetter immer extremer wird

Vorarlberg / 19.07.2021 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Meteorologe: Warum das Wetter immer extremer wird

Hitze sowie Starkregen und Überflutungen haben mit den Klimawandel zu tun, erklärt Meteorologe Simon Tschannett.

Schwarzach Rekordhitze im Westen Nordamerikas und in Skandinavien auf der einen Seite, Flutkatastrophen in Mitteleuropa auf der anderen – außergewöhnliche Wettermuster scheint es immer häufiger zu geben. Was passiert gerade auf unserem Planeten? Die Rekordhitze in Nordamerika und Skandinavien bei gleichzeitig feucht-kühlem Wetter in Mitteleuropa sind Wettermuster, die mit dem Klimawandel verknüpft sind, erklärt Meteorologe Simon Tschannett, der mit seinem Unternehmen Weatherpark viele große Städte zum Thema Klimaanpassung berät. Warme Luft bremst das Gefrieren von Wasser im Nordpolarmeer. Bildet sich weniger Eis, bleibt die Eisdecke im Winter kleiner als in anderen Jahren und der Ozean erwärmt sich schneller. „Steigen die Temperaturen und verkleinern sich die Eisflächen auf dem Nordpolarmeer, verändern die geringen Unterschiede im Luftdruck zwischen verschiedenen Gebieten den Jetstream“, führt Tschannett aus.

Meteorologe: Warum das Wetter immer extremer wird
Hallein nach dem Starkregen. APA/BARBARA GIND

Mit diesem Begriff bezeichnen Meteorologen einen Gürtel starker Winde, die mit Geschwindigkeiten von einigen Hundert Kilometern in der Stunde hoch oben in der Atmosphäre von West nach Ost um den Globus fegen und dabei Wellen bilden. Wenn sich der Temperaturunterschied zwischen dem Norden und dem Süden verringert, bewegen sich die Wellen langsamer nach Osten. Die Wellen bezeichnet man umgangssprachlich auch als Tief- und Hochdruckgebiete.

Klimaexperte Simon Tschannett.
Klimaexperte Simon Tschannett.

„Die jetzigen Extremwetterlagen sind unterschiedliche Ausprägungen des gleichen Phänomens.“

Simon Tschannett

Vergrößern sich die Wellen durch den Klimawandel, dringt mancherorts Warmluft viel weiter nach Norden und andernorts Kaltluft viel weiter nach Süden. Genau diese Entwicklung ist momentan zu beobachten: Die Warmlufteinbrüche in Richtung Arktis kommen nicht nur häufiger vor, sondern werden auch stärker und dringen weiter nach Norden vor. Zudem wird die Grundströmung nach Osten schwächer, dadurch bewegen sich Tief- und Hochdruckgebiete nicht so schnell. Tiefs verweilen dementsprechend länger über einer Gegend – es regnet dann lokal intensiver und länger. „Die jetzigen Katastrophen-Wetterlagen sind also unterschiedliche Ausprägungen des gleichen Phänomens“, betont der Klimaexperte.

Was ist aus Sicht des Meteorologen zu tun, um solche katastrophalen Ereignisse zu verhindern? „Einerseits muss das Klima geschützt werden, in dem der CO2-Ausstoß drastisch gesenkt wird“, mahnt Tschannett, der etwa CO2-Preisschilder für klimaschädliche Emissionen fordert. Zweitens brauche es in Städten und Gemeinden Anpassungsmaßnahmen: „Die Herausforderung ist dabei natürlich, dass es an unterschiedlichen Orten passiert. Man muss also überprüfen, wo die Gefahr durch Hitze, Vermurungen, Steinschlag, Hangrutschen oder aufgetautem Permafrost gegeben ist.“ Des Weiteren brauche es neue Alarmpläne, um im Katastrophenfall besser gewappnet zu sein. „Es würde viel an Erkenntnissen bringen, wenn Meteorologen stärker in Krisenstäbe eingebunden werden und auch 24 Stunden vor Ort sind.“

Persönlich glaubt Simon Tschannett, dass viele Entscheidungsträger den Ernst der Lage noch nicht verstanden haben: „Politisch sind die Diskussionen oft viel zu detailreich und verfahren. Wir müssen mehr darüber diskutieren, wo wir im großen als Gesellschaft hinwollen.“