Baubewilligungen in Vorarlberg: Bautätigkeit übersteigt Bedarf

Jahresrückblick 2021 / 26.07.2021 • 05:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Baubewilligungen in Vorarlberg: Bautätigkeit übersteigt Bedarf

Auch heuer gibt es viele Bewilligungen. Treibend sei Geldanlage, sagen Experten.

SCHWARZACH „Das hat sich schon im vergangenen Jahr abgezeichnet“, sagt Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW): Im ersten Quartal 2021 wurde in Vorarlberg die Errichtung von insgesamt 858 Wohnungen bewilligt, sei es im Rahmen eines Einfamilienhauses oder als Teil einer größeren Anlage. Wirft man einen Blick zurück, fällt auf, dass das sehr viele sind: Von Jänner bis März waren es nur im Rekordjahr 2017 deutlich mehr (1080). 2018 waren es ähnlich viele (866), sonst immer weniger. Bis Anfang der 2010er Jahre handelte es sich eher nur um rund 500, 600.

Rasche Erholung

Ganz unerwartet ist die jüngste Entwicklung nicht, so Amann: Nach dem ersten Lockdown seien im vergangenen Jahr schon ab dem Sommer wieder mehr Wohnungen bewilligt worden. „Die Bautätigkeit hat sich schnell erholt.“ Und zwar schneller als infolge der globalen Finanzkrise 2008, 2009: „Damals ist vor allem der Immobiliensektor schwer beschädigt worden. Das ist derzeit nicht der Fall.“

Im Gegenteil: „Der Wohnbedarf wäre langsam gesättigt“, erklärt Michael Klien vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO). Von daher wäre nicht mehr so viel nötig, auch wenn man berücksichtige, dass es immer Menschen gebe, die etwas Größeres oder Kleineres suchen, die es sich verbessern wollten oder die etwas weniger Teures brauchen würden. „Im Moment treibend ist eher das Investitionsmotiv“, so Klien im Gespräch mit den VN.

Das sieht auch Amann so: „Die Bevölkerung Vorarlbergs hat zwar auch im vergangenen Jahr zugelegt, wenn man aber ausschließlich von der demographischen Entwicklung ausgeht, wären nicht so viele Wohnungen nötig. Die massive Bautätigkeit ist auch darauf zurückzuführen, dass viele Menschen ihr Geld in Immobilien anlegen.“

„Diese Entwicklung ist kritisch“, ist der Experte besorgt: „Ich befürchte eine Überhitzung des Marktes. Die Preise gehen durch die Decke. Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn sich der Markt beruhigen würde.“ Michael Klien ist zuversichtlich, dass es zu einer Entspannung kommt und Preissteigerungen zumindest kleiner werden. Ein wichtiger Hinweis seien die Mieten: „Sie sind nicht so explosionsartig gestiegen wie Immobilienpreise.“

Allein: Der Traum vom eigenen Haus, der besonders Allmannen nachgesagt wird, wäre zwar ungebrochen, lässt sich für eine Masse aber ohnehin schon nicht mehr verwirklichen, wie Amann bestätigt: „Wenn die Möglichkeit besteht, ein Haus zu bauen, wird das noch immer gemacht. Der Status, der mit einem Eigenheim verbunden ist, ist ungebrochen. Allerdings ist er heute nur noch für Spitzenverdiener oder Erben von Baugrundstücken realisierbar.“ JOH