E-Scooter im Verkehr als rollendes Risiko

Vorarlberg / 29.07.2021 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
E-Scooter im Verkehr als rollendes Risiko
Die Hauptursachen für Unfälle mit E-Scootern sind zu hohes Tempo, Unachtsamkeit und Ablenkung. Symbol/ADAC

Hohes Tempo, niedrige Moral: Kuratorium für Verkehrssicherheit zählt jährlich rund 60 Verletzte durch E-Scooter-Unfälle in Vorarlberg.

Schwarzach Die Polizei sucht immer noch nach einer Autofahrerin, die am Mittwoch in der Eisengasse in Dornbirn in einen Verkehrsunfall mit einer 16-jährigen E-Scooter-Fahrerin verwickelt war (die VN berichteten). Die Jugendliche und ein weiteres, gleichaltriges Mädchen waren gegen 15.30 Uhr mit ihren E-Scootern auf dem Gehsteig der Eisengasse in Richtung Kreuzung zur Dr. Anton-Schneiderstraße unterwegs gewesen. Als die 16-Jährige vom Gehsteig auf die Fahrbahn wechselte, kam es zum Zusammenstoß mit dem Auto der noch unbekannten Frau.

Beide Mädchen kamen zu Sturz, die 16-Jährige erlitt bei der Kollision Verletzungen am linken Arm und musste ins Krankenhaus Dornbirn eingeliefert werden. Die Pkw-Lenkerin ist zwar aus ihrem Auto ausgestiegen und hat sich nach dem Zustand des Mädchens erkundigt. Nachdem die Jugendlichen zunächst angaben, dass alles in Ordnung sei, fuhr die Frau weiter.

Deutlicher Anstieg von Unfällen

Unfälle mit E-Scootern sind keine Seltenheit. „Seit 2015 zeigt sich in Österreich ein deutlicher Anstieg der entsprechenden Unfallzahlen“, sagt Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) gegenüber den VN. Auch wenn es für diese spezielle Fahrzeugkategorie keine eigene Unfallstatistik gibt, so wagt das KfV doch eine grobe Schätzung. Demnach dürften sich jährlich allein in Vorarlberg rund 60 Fahrer von E-Scootern bei Unfällen spitalsreif verletzen. „Eine umfassende KfV-Studie zeigt, dass eine Erhöhung der Sicherheit im E-Scooter-Verkehr unbedingt erforderlich ist“, betont Pfanner.

Rechtliche Regelungen

Laut StVO sind E-Scooter „Klein- und Miniroller mit elektrischem Antrieb“. Für die Benutzung dieser Fahrzeuge mit einer höchstzulässigen Leistung von max. 600 Watt und einer Bauartgeschwindigkeit von max. 25 km/h gelten in Österreich seit dem 1. Juni 2019 die Verhaltensvorschriften für Radfahrer. E-Scooter dürfen auf Radfahranlagen oder auf der Fahrbahn verkehren. Das Fahren auf dem Gehsteig und Gehweg ist verboten, außer bei behördlicher Freigabe. Für E-Scooter-Fahrer gelten ein Alkohollimit von 0,8 Promille, eine Helmpflicht bis zum Alter von zwölf Jahren und die Pflicht, geplante Fahrtrichtungsänderungen mittels Handzeichen anzuzeigen. Fahren zu zweit ist verboten. Die gesetzlich vorgeschriebene Ausrüstung: eine wirksame Bremsvorrichtung, Rückstrahler nach vorne, hinten und auf die Seite, bei Dunkelheit und schlechter Sicht ein weißes Vorderlicht und ein rotes Rücklicht. VN-GS

Unfallfacts

  • Der Großteil der verletzten E-Scooter-Fahrer ist männlich.
  • Die verunglückten E-Scooter-Fahrer sind tendenziell jünger als 40 Jahre.
  • E-Scooter-Unfälle ereignen sich überwiegend tagsüber.
  • Die meisten E-Scooter-Unfälle ereignen sich auf Gehsteigen/Gehwegen und  Radfahranlagen.
  • E-Scooter-Unfälle sind meistens selbstverschuldete Alleinunfälle.
  • Die Hauptunfallursachen: zu hohes Tempo, Unachtsamkeit, Ablenkung, Rotlichtmissachtung, Fehleinschätzung der Bodenbeschaffenheit, Alkoholkonsum, Selbstüberschätzung
  • Häufigste Blessuren: Knochenbrüche, Sehnen- und Muskelverletzungen, Abschürfungen, Prellungen