Für Ungeimpfte werden die Zügel angezogen

Sicherheitskonzept soll Schulschließungen verhindern.
Wien Kein Schichtbetrieb und schon gar keine Schulschließungen im kommenden Schuljahr: Das ist das Ziel von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), das er mit mehreren Maßnahmen erreichen möchte. Nach einer zweiwöchigen Sicherheitsphase zu Schulbeginn bleibt die Testpflicht voraussichtlich nur für ungeimpfte Schüler bestehen, die Maskenpflicht könnte je nach Infektionslage fallen. Ungeimpfte Lehrer müssen weiterhin im Unterricht einen Mund-Nasenschutz tragen und ein Mal pro Woche einen PCR-Nachweis vorlegen, bestätigt das Ressort den VN. Laut einer Ministeriumssprecherin reichen die Schultests für die Pädagogen aber nicht. Der PCR-Test sei ab Herbst extern zu machen, etwa in den Apotheken. Sollte es kein Gratisangebot geben, müssten die Lehrer den Test selbst bezahlen – natürlich nur jene, die sich nicht impfen lassen, obwohl sie könnten.
„Was ist das für ein Arbeitgeber?“, reagiert der Vorarlberger Lehrergewerkschafter Willi Witzemann auf die Ankündigung. „Man kann doch jemandem nicht etwas vorschreiben und ihn dann dafür bezahlen lassen.“ Darüber hinaus kritisiert er gewisse Unklarheiten im Sicherheitskonzept. Die drängendsten Probleme – Stichwort Lehrermangel – blieben bestehen. Michael Tagger, Vorstand des Elternverbands, hält die präsentierten Maßnahmen für vertretbar. Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) bezeichnet sie als höchst sinnvoll.
Mindestens ein PCR-Test
Basis des Sicherheitskonzepts bildet die Testpflicht. In den ersten beiden Schulwochen müssen alle Schüler jeweils zwei Antigen- und einen PCR-Test machen sowie außerhalb der Klasse eine Maske tragen. Ist die sogenannte Sicherheitsphase vorbei, entscheidet die Infektionslage, wie es weitergeht. Am wahrscheinlichsten ist das Szenario, dass sich ungeimpfte Schüler weiterhin testen müssen, die Maskenpflicht aber für alle fällt. Geimpften Schülern bleibt eine freiwillige Testteilnahme offen.
Das Infektionsrisiko an den Schulen wird künftig auch mittels Frühwarnsystem ermittelt. In Kooperation mit der Technischen Universität in Wien und mit der Uni Innsbruck werden bei 116 Kläranalgen regelmäßig Abwasseranalysen durchgeführt. So kann vorzeitig erhoben werden, wie stark sich das Virus wo verbreitet. Außerdem kündigte Faßmann an, zehn Millionen Euro in Raumluftreiniger für jene Klassen bereitzustellen, in denen nicht ordentlich gelüftet werden könne. Um zu einer höheren Durchimpfung bei den Schülern ab zwölf Jahren zu kommen, will er 30 Impfbusse durch Österreich ziehen lassen. Die Impfkampagne soll bereits mit den Sommerschulen starten.
Unterscheidung möglich?
Die Elternvertreter befürworten, dass es bereits ein Konzept zu den Schulöffnungen gebe. „Die Kinder sind die Tests gewohnt. Im Sinne der Sicherheit sind sie zu vertreten“, sagt Verbandsobmann Tagger. Kritisch sieht er den Plan, zwischen geimpften und ungeimpften Schülern zu unterscheiden. „Die Frage ist, ob das im täglichen Schulbetrieb so leicht administrierbar ist.“ Auch Lehrervertreter Witzemann stellt in Frage, ob eine Unterscheidung sinnvoll wäre. „Denn auch geimpfte Personen können das Virus in sich tragen.“ Unklar ist für ihn außerdem, wer die Pädagogen bezüglich der neuen PCR-Spültests schule. Ebenso sei offen, wie künftig bei einzelnen Infektionsfällen in Schulklassen vorgegangen werde.
Darauf hat Bildungslandesrätin Schöbi-Fink eine Antwort. Sollten mehrere Coronafälle in einer Klasse auftauchen, könne es sein, dass diese in Quarantäne müsse. Ganze Schulen sollen aber nicht geschlossen worden. Dass geimpfte Kinder und Lehrer einen kleinen Vorteil haben werden, befürwortet sie. „Impfen ist ja kein Selbstzweck, sondern es geht darum, dass wir das Infektionsgeschehen in den Griff bekommen.“ Schöbi-Fink kündigt außerdem weitere Impfangebote an größeren Schulstandorten an. Für die Raumluftreiniger werden die Vorarlberger Schulen wohl eher kein Geld brauchen, meint sie. Sie habe die Frage erheben lassen. Demanch könnten alle Klassen ordentlich gelüftet werden.
Schöbi-Fink wird die Maßnahmen an die Schulen, auch für die elementarpädagogischen Einrichtungen empfehlen, eine Testpflicht für Kinder in Kinderbetreuung oder im Kindergarten aber nicht. Sie fände es aber gut, wenn die Gemeinden den Eltern wie bisher Gratistests zur Verfügung stellen. Vor allem in der Sicherheitsphase wäre das wichtig.
„Impfen ist kein Selbstzweck. Es geht darum, die Infektionslage in den Griff zu bekommen.“