Mit Blick zurück ein Start in die Zukunft

Vorarlberg / 27.09.2021 • 16:53 Uhr
<p class="caption">Die Alte Stickerei ist auch eine wichtige Plattform für die Aktivitäten des Dorfgeschichtevereins, freut sich dessen Obmann Friedrich Schneider.</p><p class="caption"/>

Die Alte Stickerei ist auch eine wichtige Plattform für die Aktivitäten des Dorfgeschichtevereins, freut sich dessen Obmann Friedrich Schneider.

Stelen informieren in Fußach über die Dorfgeschichte – Alte Stickerei bewährt sich als neuer Treffpunkt.

Fußach Die Gemeinde Fußach arbeitet unter Federführung des Dorfgeschichtevereins an einem besonderen Geschichtsweg, der im Endausbau auf rund einem Dutzend Stelen einen Einblick in die Fußacher Geschichte gibt. Bei einem Spaziergang durch das Dorf können Interessierte auf diese originelle Art und Weise „Geschichtsunterricht“ erfahren – kurz und bündig. Die ersten drei dieser Stelen wurden jetzt installiert und vorgestellt.

Synergien genutzt

Die Musik umrahmte die Feier auf dem Kirchplatz, die gleich mit einer zweiten Initiative des Vereins verknüpft wurde: Anschließend war die Bevölkerung zu einem Frühschoppen eingeladen, bei dem die Alte Stickerei als Treffpunkt für kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten präsentiert wurde. Weil auch das Wetter mitspielte, konnte sich die Location von ihrer besten Seite zeigen – in der adaptierten ehemaligen Stickerei sorgte der Theaterverein für das leibliche Wohl der Besucher und im kleinen Park davor spielte der Musikverein auf. Mit einem großen Tor wurde eine Verbindung zwischen Park und Halle geschaffen.

„So konnten wir zwei Anlässe miteinander verbinden und der Bevölkerung auch unseren neuen Treffpunkt näher bringen“, freute sich Bürgermeister Peter Böhler, dem die Förderung des dörflichen Lebens ein besonderes Anliegen ist.

Bewusstsein wecken

Die Stelen sollen dazu beitragen, dass dieses dörfliche Leben gestärkt und das Geschichtsbewusstsein geweckt wird, denn: „Unser Dorf hat eine spannende Geschichte – diese wollen wir wieder mehr bewusst machen und dabei auch aufzeigen, dass die Gemeinde vor rund 130 Jahren nicht gerade fair behandelt wurde.

Die nur unzureichend abgefederten Folgen der damaligen (Fehl-)Entscheidungen machen Fußach auch heute noch schwer zu schaffen“, merkte Friedrich Schneider als Obmann des 1999 gegründeten Dorfgeschichtevereins kritisch an. Er sieht in diesen Benachteiligungen auch eine starke Motivation für den Verein, die Gemeinde in der Bemühung um „Korrekturen“ zu unterstützen.

Einen kleinen Beitrag leisten

Was er und die 170 Vereinsmitglieder dazu beitragen können? „Wir wollen mit dieser Stelen-Aktion den Fußacherinnen und Fußachern auch aufzeigen, dass unsere Gemeinde durch fragwürdige Entscheidungen im Zusammenhang mit der Rheinregulierung in ihrer Entwicklung massiv behindert wurde“, so Schneider, der einen wunden Punkt (sichtbar auf der Stele „Fußach“) anspricht. Mit dem Fußacher Rheindurchstich geriet das Dorf massiv ins Abseits. Aus der bis zu 28 Meter breiten Fußach, die durch den Ort floss und im Mündungsbereich sogar schiffbar war, war ein armseliges Rinnsal geworden, Fußach hatte seine Lebensader verloren. Der einst wichtige Hafen – 1474 als Umschlagplatz für den Mailänder Boten die Keimzelle für Gebrüder Weiss – wurde bedeutungslos, die Stede verschwand. Und der Neue Rhein gab der „Gemeinde am Bodensee“ den Rest: Auf den im Laufe der Jahrzehnte entstandenen Auflandungen hat Fußach nichts mehr zu melden, sie sind Eigentum der Republik. Damit verlor Fußach die unmittelbaren Uferbereiche und heute hat die Gemeinde nur noch in wenigen Abschnitten direkten Zugang zum See. Auf rund 95 Prozent der Uferlinie ist ein mehr oder minder breiter aufgelandeter Streifen im Besitz der Republik.

„Wiedergutmachung“ angestrebt

Hafen verloren, Fußach verkümmert, nur noch kleine Reste von eigenem Seeufer: Fußach sei durch den Rheindurchstich massiv benachteiligt worden – deshalb wäre es eine Art „Wiedergutmachung“, wenn jetzt zwei wichtige Fußacher Anliegen von Land und Bund entsprechend (auch finanziell) gefördert würden, stellen die Gemeindeverantwortlichen in den Raum. „Es geht dabei einerseits um eine Neuregelung der Besitzverhältnisse am Seeufer, so wie es schon vor vielen Jahren in Hard gehandhabt wurde, und zum zweiten um finanzielle Unterstützung bei den Bemühungen um eine Revitalisierung und Renaturierung der Fußach“, formuliert Bgm. Böhler zwei wichtige Anliegen der Gemeinde. STP

<p class="caption">Mit einer Feierstunde auf dem Kirchplatz stellten Gemeinde und Dorfgeschichteverein die ersten drei Stelen des Projekts „Geschichtsweg“ vor. <span class="copyright">STP/3</span></p><p class="caption"/>

Mit einer Feierstunde auf dem Kirchplatz stellten Gemeinde und Dorfgeschichteverein die ersten drei Stelen des Projekts „Geschichtsweg“ vor. STP/3

<p class="caption">Mit einem Frühschoppenkonzert im kleinen Park vor der Alten Stickerei zeigte der Musikverein die Möglichkeiten des neuen Zentrums für Kultur auf.</p><p class="caption"/>

Mit einem Frühschoppenkonzert im kleinen Park vor der Alten Stickerei zeigte der Musikverein die Möglichkeiten des neuen Zentrums für Kultur auf.