Gefährliche Routine
Also hat erst der versperrte Weg ins Wirtshaus und zum Friseur die Impfzahlen in die Höhe schnellen lassen. Werden da lauthals behauptete „Freiheiten“ über Bord geworfen? Sei’s drum. Aus Sicht der Gesellschaft, die mit der Pandemie keine Zukunft hat, kann man das nur begrüßen. Die Frage ist: Wird’s reichen?
„Zu spät“, sagen Virologen, „wir sind wieder zu spät.“ Schon geht das Wort vom Lockdown wieder um. In den Krankenhäusern wälzen sie Notfallpläne. Operationen werden verschoben, weil man die Betten auf den Intensivstationen brauchen wird. Die Wirtschaft ruft nach neuen Förderungen, ehe die alten abgerechnet sind. Der Tourismus gibt den Winterstart verloren. Homeoffice und Kurzarbeit wiegen erneut stärker als Wintersport und Après-Ski.
Das Schlimme ist: Es wird langsam Routine. Wir sind schon richtige Profis geworden im Rückzug. Der Ausnahmezustand trägt von Mal zu Mal alltäglichere Farben. Das befördert eine brandgefährliche Versorgungsmentalität. Denn die Frage, wer das alles letztendlich bezahlen soll, verkriecht sich wie ein alter Hund hinter dem Kamin, weil ohnedies niemand eine Antwort weiß und sich immer weniger Menschen dafür interessieren.
Thomas Matt
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