Quartiersentwicklung Kreuzfeld wirbelt Staub auf

Vorarlberg / 11.11.2021 • 16:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Direkt neben dem neuen Kinderhaus soll ein Wohnbauprojekt realisiert werden. <span class="copyright">EGLe</span>
Direkt neben dem neuen Kinderhaus soll ein Wohnbauprojekt realisiert werden. EGLe

Trotz Anrainerprotesten genehmigt Altacher Gemeindevertretung einstimmig Ausnahmen zum Bebauungsplan für Wohnbauprojekt.

altach Das Quartier Kreuzfeld ist eine der letzten großen zusammenhängenden Freiflächen der Gemeinde Altach. 16.000 Quadratmeter, davon 6000 im Eigentum der Kommune, sind bereits seit Jahrzehnten als Bauland gewidmet. Seit einigen Jahren laufen die Planungen für die Entwicklung des Gebiets, derzeit entsteht dort das neue Kinderhaus. Das zugrunde liegende Ziel in der Gemeindestube war und ist es, das gesamte Areal auch nach dem Ausbau frei von motorisiertem Verkehr zu halten. Dieses Ziel und der Ausbau des Kreuzfelds wurden von den Anwohnern unisono positiv bewertet.

Vier statt drei Geschosse

Rund um ein geplantes Wohnbauprojekt eines privaten Bauträgers rumort es jetzt aber aufseiten der Anrainer. Die Firma Müller Wohnbau beabsichtigt, vier Gebäude mit insgesamt 31 Wohnungen zu errichten. Sieben bis acht davon werden von der Gemeinde erworben und sollen an junge Altacher Familien zu leistbaren Konditionen vermietet werden. Geplant ist zudem, die Tiefgarage mit der bereits errichteten unter dem Kinderhaus zu verbinden, über eine Ein- und Ausfahrt zu erschließen und damit die kürzest mögliche Verbindung zum höherrangigen Straßennetz zu ermöglichen. So weit so gut, den Anrainern stoßen aber einige Punkte sauer auf. Statt wie laut dem Bebauungsplan vorgesehen, sollen die Gebäude nicht mit drei, sondern vier Geschossen errichtet werden. Die für solche Projekte mit Keller und Tiefgarage maximal vorgesehene Baunutzungszahl von 70 wird mit rund 84 überschritten. Groß sind die Sorgen auch in Sachen Verkehr. Die 87 unterirdischen Stellplätze würden unnötigen zusätzlichen Verkehr erzeugen, der jetzt schon als zu viel bewertet wird, so die Befürchtungen. Nicht zuletzt wirft man der Gemeinde und allen voran Bürgermeister Markus Giesinger mangelnde Kommunikation und Beschlüsse ohne vorangegangene Informationen vor. Einige Anrainer haben dies auch in einem Schreiben zusammengefasst.

Im Rahmen eines Infoabends bezog Bürgermeister Markus Giesinger Stellung.
Im Rahmen eines Infoabends bezog Bürgermeister Markus Giesinger Stellung.
 Obgleich der Einwände der Anrainer wurde tags darauf den Ausnahmen in der Gemeindevertretung zugestimmt.
Obgleich der Einwände der Anrainer wurde tags darauf den Ausnahmen in der Gemeindevertretung zugestimmt.

Gutachten des Fachbeirats

Vorwürfe, die Bürgermeister Giesinger in dieser Form von sich weist. Im Rahmen eines Infoabends im Altacher KOM bedankte sich dieser zwar für die angestoßene Diskussion, kritisierte aber vor allem die Diktion des Schreibens scharf. Bereits im April des Vorjahres habe man den Anrainern die Pläne übermittelt und mit den direkten Nachbarn der Tiefgarage jeweils persönliche Gespräche geführt, die Pläne vorgelegt und erläutert. Die Ausnahmen zum Bebauungsplan begründet das Gemeindeoberhaupt mit mehreren Argumenten. Zum einen sähen die Vorgaben des Landes eine solche Verbauung als ortsüblich vor und zum anderen würden durch die vorgesehenen Giebeldächer die vierten Obergeschosse nicht voll ausgebaut. Gemeinsam mit dem privaten Bauträger habe man das Projekt entwickelt und könne so das Ziel des autofreien Quartiers erreichen. Darüber hinaus könne man mit den Gemeindewohnungen eine soziale Durchmischung erreichen, möglichst wenig Boden versiegeln und eine gemeinsame Außenanlage mit dem Kindergarten schaffen. Außerdem verweist Giesinger auf ein Gutachten des Fachbeirats, in dem es wörtlich heißt: „Sowohl hinsichtlich der Baunutzungszahl und auch der Höchstgeschosszahl sind die Ausnahmen vom Bebauungsplan zu rechtfertigen. Die gesamte Genese des Projekts ist als beispielhafter Quartiersentwicklungsprozess zu bewerten. Die ganzheitliche Sicht der Planungsmethodik lässt sowohl hinsichtlich Architekturqualität als auch hinsichtlich der Gestaltung der Freiräume eine sehr gute Gesamtqualität erwarten. Der hohe Stellenwert des öffentlichen Raums und die Nutzungsdurchmischung sind hervorzuheben.“

Ausnahmen genehmigt

Auf Grundlage dieser Expertise und einer einhellig positiven Bewertung durch die zuständigen Ausschüsse fasste die Altacher Gemeindevertretung am Dienstagabend den einstimmigen Beschluss zur Genehmigung der Ausnahmen. Den Anrainern bleibt nun nach der Baueingabe noch die Möglichkeit zur Stellungnahme im Zuge der Bauverhandlung. CEG

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