Bezirksgericht: Prügel für angeblichen „Kopfpinkler“

Vorarlberg / 22.11.2021 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bezirksgericht: Prügel für angeblichen „Kopfpinkler“
Das Opfer musste nach den brutalen Attacken des Angreifers am Kopf verarztet werden, wochenlange Schmerzen plagten den Mann. symbol/salzburgerland.com/Fröschl

Fußtritte, blutende Wunde, Schmerzen: Missverständnis hatte für harmlosen Passanten fatale Folgen.

bregenz Es war Sommer und heiß beim Cineplexx. Weil die Hitze so drückte, brannte Durst in der Kehle eines Spaziergängers. Er griff zu einer Wasserflasche im Rucksack. Doch das Wasser versprach nicht mehr die ersehnte kühlende Erfrischung, denn es war durch die Sonnenglut inzwischen zur lauwarmen Brühe geworden.  So leerte der 32-Jährige den Inhalt der Flasche seiner trockenen Kehle zum Trotz nicht in sich selbst hinein, sondern schüttete ihn über die Treppe nach unten aus.

Stiege hinunter gezerrt

Dort war ein weiterer Passant so gar nicht entzückt über den plötzlichen Regen, der sich da buchstäblich aus heiterem Himmel über sein Haupt ergoss. Als er den offensichtlichen Übeltäter erspähte, war er der Meinung, dieser habe seine Blase in böswilliger Absicht über ihm und auf ihn entleert. Wütend eilte der Mann zu dem seiner Meinung nach unverschämten „Saukerle“, packte und zerrte den 32-Jährigen die Treppe hinunter, stieß ihn nieder und verpasste ihm Fußtritte gegen den Kopf.

Bei der späteren Verhandlung wegen Körperverletzung am Bezirksgericht Bregenz sagt das Opfer als Zeuge vor Richter Christian Röthlin aus: „Ich habe ihm nicht auf den Kopf gepinkelt! Ich schüttete damals nur die Wasserflasche aus, ohne den Mann unter mir gesehen zu haben. Ich habe ihn nicht angeseicht!“, betont er nochmals eindringlich.

Eine „brutale Narbe“

Die Fußtritte seien furchtbar gewesen. „Als er mir gegen den Kopf trat, rief er, dass er mich umbringe. Glücklicherweise hatte jemand die Polizei verständigt, die gleich eintraf“, erinnert sich der Zeuge deutlich. Er habe eine „brutale Narbe“ am Kopf gehabt. Sieben Klammern hätte es gebraucht, um die Wunde zusammen zu halten. Und dann erst die Schmerzen. „Ich brauchte wochenlang Schmerztabletten“, erinnert sich das Opfer noch deutlich.

Der angeklagte Täter selbst kann an diesem Verhandlungstag allerdings nicht befragt werden. Er sitzt derzeit wegen anderer Delikte in Haft. Ein anderes Vergehen ist es auch, dass bei der Verhandlung zusätzlich prozessiert wird. Demnach wird dem Häftling vorgeworfen, einem Vermieter die Zeche nicht bezahlt zu haben und Löcher in die Wand beim Stiegenhaus außerhalb der Wohnung geritzt zu haben.

Richter Röthlin vertagt den Prozess, bis eine Vorführung des Angeklagten aus der Justizanstalt möglich ist.

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