Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Wenn Bagger tanzen

Vorarlberg / 25.01.2022 • 18:53 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Am Unterlauf der Bregenzerach haben sie zur Hochwassersicherheit in wenigen Wochen ganze Kraterlandschaften ausgehoben. Tonnen von Kies und Geröll entreißen die Bagger jeden Tag dem Flussbett. Am Abend tauchen Scheinwerfer die Szenerie in kaltes Licht. Schemenhaft rollt das schwere Gerät dann durch den Nebel.

Aber manchmal kann man die Bagger tanzen sehen. Dann erinnern sich die Fahrer wohl daran, wie filigran und kraftvoll zugleich die Werkzeuge sind, über die sie gebieten. Sie ziehen mit ihren Armen weit ausladend große Kreise, bohren sich in den Grund, finden Halt, bäumen sich auf. Spritzen sich gegenseitig Wasser zu wie Elefanten bei der Morgentoilette.

Am Ende eines Tages voller harter Arbeit, der dennoch Platz genug ließ für solche graziösen Einlagen, parken die Fahrer ihre Bagger einander gegenüber mit hoch erhobenen Armen, und ihre Schaufeln berühren sich sacht. Ganz so, als wollten sie sich für das morgige Stelldichein bereits verabreden.

Thomas Matt

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