Nenzinger Grundstücksdeal um eine Posse reicher

Vorarlberg / 26.01.2022 • 19:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nenzinger Grundstücksdeal um eine Posse reicher
Die gelieferten Nussbäume zieren noch nicht die jüngst erworbene Fläche. VN

Gemeinderatssitzung eskaliert bei der Debatte der Grundstückskäufe durch den Bruder des Bürgermeisters.

Nenzing „Du bist nicht ganz dicht“, „du lügst“: Das sind nur einige Beschimpfungen, die sich Johannes Schallert (ÖVP) von Gemeindevertretern der Liste Bürgermeister Florian Kasseroler, FPÖ und Parteifreie Nenzing in der Gemeindevertretungssitzung vergangenen Dienstag im Ramschwagsaal gefallen lassen musste, nachdem er schwere Vorwürfe gegen Vizebürgermeister Herbert Greussing erhoben hatte (die VN berichteten).

Nenzinger Grundstücksdeal um eine Posse reicher

Johannes Schallert fragte Herbert Greussing, was er dagegen unternommen habe, das Grundstückstauschgeschäft von Egon Kasseroler, Bruder von Florian Kasseroler, zu stoppen. Herbert Greussing, der seit 38 Jahren in der Gemeinde politisch aktiv ist, versteht die Frage nicht. Er habe nie gesagt, dass er das Grundstücksgeschäft stoppen will. Er gab jedoch zu, dass er die Grundstücksbeurteilung von der Grundverkehrskommission nur den Gemeinderäten und nicht allen Gemeindevertretern weitergeleitet hat. Den Auszug aus dem Sitzungsprotokoll der Grundverkehrskommission will er den Gemeindevertretern noch nachreichen. Doch das reicht Schallert nicht. Er fordert ein objektives Gutachten, da die Grundverkehrskommission überwiegend aus Mitgliedern der FPÖ bestehe.

In dieser Kommission sind drei Landwirte vertreten, die sich mit dem Verkehrswert landwirtschaftlicher Flächen auskennen. Auch Dipl. Ing. Markus Krebitz (ÖVP) als gerichtlich vereidigter Sachverständiger wohnt der Kommission bei. Die fachliche Expertise sei laut Greussing gegeben. Man war sich einig, dass die Grundstückspreise des Tauschgrundstücks sowie des verkauften Grundstücks an Egon Kasseroler ortsüblich seien. Doch Johannes Schallert wartet weiter auf das versprochene Gutachten – und auf die Walnussbäume, die auf besagter Fläche immer noch fehlen. Warum war dieser Beschluss im Oktober so eilig? Herbert Greussing und Florian Kasseroler machen die schlechte Witterung dafür verantwortlich.

Der Ton macht die Musik

Andreas Scherer, Vorsitzender der „Wir für Nenzing-Volkspartei und Parteifreie“, gab zu, dass ein „leicht schräger Schein“ dadurch entstanden ist, dass man unter zeitlichem Druck eine Entscheidung habe fällen müssen, ohne, dass ein Gutachten vorlag und bis jetzt immer noch keine Bäume stehen. Benedikt Drexel, Vorsitzender der Grüne Nenzing, wollte die Wogen glätten: Man hätte anrufen und nachfragen können. „Der Ton macht die Musik. Dieser Ton, den wir gerade anschlagen, hilft uns allen nicht.“

Die Lage spitzte sich zu: „Es geht nicht, die Gemeindevertreter in die Irre zu führen und sie zu einer Abstimmung zu zwingen“, beschwerte sich Schallert. „Das finde ich übel und nicht haltbar“, weshalb der Anwalt Greussing zum Rücktritt aufforderte. Damit stand Schallert aber allein da. Die restlichen 26 Gemeindevertreter standen geschlossen hinter ihrem Vizebürgermeister, der seit 12,5 Jahren im Amt ist. Doch Schallert ist sich sicher: „Du wirst zurücktreten, ich weiß nur noch nicht wann.“ Auch für Herbert Greussing ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. VN-JUN

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