Ein Haus in der Oberstadt mit besonderer Geschichte

Vorarlberg / 27.01.2022 • 16:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das denkmalgeschützte Gebäude an der Graf-Wilhelm-Straße 7 in der Bregenzer Oberstadt weist eine lange Geschichte auf.
Das denkmalgeschützte Gebäude an der Graf-Wilhelm-Straße 7 in der Bregenzer Oberstadt weist eine lange Geschichte auf.

Das Haus Graf-Wilhelm-Straße 7 in der Bregenzer Oberstadt steht seit fast 100 Jahren unter Denkmalschutz.

Bregenz Wer heute durch die Oberstadt flaniert, ist beeindruckt von der besonderen Atmosphäre, die dieser Ortsteil von Bregenz ausstrahlt. Eines der denkmalgeschützten Häuser wurde um 1900 in der Graf-Wilhelm-Straße 7 gebaut. Das Haus gehört zum Ensemble Oberstadt, das das Bundesdenkmalamt 1923 unter Schutz stellte und folgendermaßen beschrieb: „Das zweigeschossige, traufständige Wohnhaus wurde in den 30er-Jahren unter der Verwendung älterer Substanz errichtet. Die Erschließung des Obergeschosses erfolgt über eine enge, gewendelte Holztreppe mit geschwungenen Handläufen, eine schlichte, aber dennoch für die Entstehungszeit charakteristische Zimmermannsarbeit.“

Vom Rohbau zum Wohnhaus

Erste Hausbesitzer waren Johann Baptist Letsch 1850 und Johann Amann 1895. Franz Huber nutzte es um 1904 auch als Stallung zum Haus Graf-Wilhelm-Str. 5. 1939 wurde das im Rohbau befindliche Wohnhaus von Walter Rhomberg umgebaut. In der technischen Beschreibung von 1939 ist zu lesen, dass dem im Jahr 1900 erbauten, jedoch leer stehenden Haus Leben eingehaucht werden sollte. Und zwar in Form von zwei Dreizimmerwohnungen. Durch den Einbau erhielt das Haus eine Küche, ein Klosett, ein Etagenbad, eine Gasheizung und elektrisches Licht. Das äußere Kleid des Wohnhauses sollte dem Charakter der Altstadt in Form und Farbe angepasst werden.

Löcher in der Stadtmauer für Fenster

Der bestehende straßenseitige Eingang und der dort liegende Kellerabgang wurden geschlossen, der neue Hauseingang seitlich geplant. Die Stiege vom Keller bis zum Erdgeschoss wurde in Eisenbeton erstellt, die Stiege vom Erdgeschoss in den Dachstock aus Holz gefertigt. Damals war man alles andere als zimperlich: Damit jedes Schlafzimmer in jedem Stockwerk Fenster aufwies, wurden aus der alten Stadtmauer Löcher geschlagen. Diese Möglichkeit sei durch ein altes Recht zugestanden, heißt es in der Baubeschreibung. Die straßenseitigen hohen Fenster wurden dem Altstadtgebiet entsprechend auf eine Höhe von 1,25 Meter erniedrigt.

Abwässer und Beheizung

Die Fäkalien bzw. Abwässer wurden in eine zweikammerige Abortgrube geleitet, geklärt und über den Hang in den dort fließenden Bach geleitet. Beheizt wurden die Wohnungen mittels Etagenheizung. Die Küchen sollten mit je einem kombinierten Herd und offener Feuerung ausgestattet werden.

Während der Bauarbeiten ging jedoch der Besitzerin, der Zollamtsratsgattin Wilhelmine Madlener, das Geld aus. Ursprünglich sollte das Haus vermietet werden. Im Schätzungsbefund liest man im Mietvertrag: Das Erdgeschoss kostete 73 Schilling, damals 880 Reichsmark, der erste Stock 83 Schilling oder 1000 Reichsmark.

Gekauft hat es schließlich Wilhelm Bechtold im Jahr 1941. 1990 ging das Anwesen an seinen Enkel Michael Büchel, der zuerst die Außenfassade wärmeisolierte und renovierte. Umfassend umgebaut wurde das Haus, unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes 1999 nach Plänen des Architekten Markus Thurnher. Das Haus wurde bis auf den Keller innen vollständig ausgehöhlt. „Nur noch die Außenfassade ist gestanden“, erinnert sich der heutige Hausherr Michael Büchel. Spannend war, dass die mittelalterliche Stadtmauer freigelegt wurde, die jetzt im Inneren des Hauses zu sehen ist und einen ganz besonderen Charme versprüht. Vor der Sandstrahlung kratzten Fachleute des Bundesdenkmalamts, mit einem Rasiermesser, vorsichtig an mehreren Stellen den Verputz ab. Es sollte geprüft werden, ob ein Fresko (wie in der nahegelegenen Martinskapelle) zum Vorschein kommt.

Heute wohnen im Haus auf 150 m2 drei Personen und zwei Katzen. Was man nicht sehen kann: Hinter dem Haus liegt ein wunderschöner Garten.

Das denkmalgeschützte Gebäude an der Graf-Wilhelm-Straße 7 in der Bregenzer Oberstadt weist eine lange Geschichte auf.
Das denkmalgeschützte Gebäude an der Graf-Wilhelm-Straße 7 in der Bregenzer Oberstadt weist eine lange Geschichte auf.