Eigene Freitestregel und BH als “Big Brother”

Vorarlberg / 28.01.2022 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Freitesten mit Gurgeln? Nix da in Vorarlberg. Es müssen behördliche Stäbchentests sein. Und das erst nach acht Tagen. APA
Freitesten mit Gurgeln? Nix da in Vorarlberg. Es müssen behördliche Stäbchentests sein. Und das erst nach acht Tagen. APA

Für Quarantänebefreiung werden selbst Apotheken entmachtet.

BREGENZ In Österreich gilt für corona-positive Menschen: Sie können sich nach fünf Tagen freitesten. Das ist überall so – außer in Vorarlberg. Bei uns darf man das erst nach acht Tagen. Und dann ist nur ein behördlich angeordneter Test erlaubt. Das heißt: Sonst anerkannte Screeningtests in großen Firmen oder Apotheken werden nicht akzeptiert. Zudem liegt es im „Ermessen der Behörde“, wann der Freitesttermin stattfindet. Und: Sollte der Test nicht das gewünschte Ergebnis bringen, kann die Behörde die Quarantäne verlängern. Eine volle Quarantäne dauert zehn Tage und endet ohne vorgeschriebenen weiteren PCR-Test.

Begründet wird der Vorarlberger Weg in Sachen Freitesten mit der Überbelastung der behördlichen Teststellen. “Warum sollen wir unsere Testinfrastruktur nicht nützen dürfen, wenn die behördlichen Kapazitäten erschöpft sind. Das vertehe ich nicht ganz”, fragt sich etwa Yvonne Greussing, Unternehmenssprecherin bei Blum.

Viel Behörde, wenig Flexibilität

Ein bisschen viel Behörde und ein bisschen wenig Flexibilität – das finden viele. Auch das Freitesten bei einer Apotheke wird im behördlichen Bescheid mit Verordnung der Quarantäne explizit untersagt.

Für Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher ist die Vorarlberger Regelung durchaus nachvollziehbar. „Nur 5,8 Prozent der PCR-Tests an Tag fünf hatten einen CT-Wert von über 30. Erst ab Tag acht steigt die Zahl von Testergebnissen, die ein Ende der Absonderung zur Folge haben, auf rund 20 Prozent“, rechtfertigt Rüscher die Maßnahmen. Man müsse haushälterisch mit den vorhandenen behördlichen Testkapazitäten umgehen. „Weil sonst versuchen es viele jeden Tag mit einem Retest.“ Wobei ein solcher Test für die betreffende Person mit einem Risiko verbunden ist. Besteht die Infektiosität weiter, droht eine Verlängerung der Absonderung um weitere sieben Tage.

Sicherheitsbedenken

Warum aber nur behördlich angeordnete Tests zur Befreiung aus der Absonderung erlaubt sind, erklärt Rüscher mit Sicherheitsbedenken. „Wer kontrolliert mögliche Schlangenbildungen ohne Abstandhalten bei privaten Testanbietern?“, lautet eines ihrer Argumente.

„Wer kontrolliert Schlangenbildungen ohne Abstandhalten bei privaten Testanbietern?“