Lebensfreude trotz aller Schicksalsschläge

Vorarlberg / 06.02.2022 • 18:16 Uhr
Das erste Auto mit 19, ein gebrauchter Triumph Herald.
Das erste Auto mit 19, ein gebrauchter Triumph Herald.

Der 72-jährige Fritz Mayer sprang dem Tod gleich ein paar Mal von der Schaufel.

Koblach Draußen ist es düster, der Himmel regenschwanger. Erste Regentropfen prasseln bereits ans Fenster. Fritz Mayer schaltet in der Küche das Licht ein und zündet dann, wie jeden Tag, vier Kerzen an. „Es gibt keinen Tag, an dem ich dem Herrgott nicht dafür danke, dass ich noch leben darf“, sagt der 72-Jährige und nippt genüsslich an seiner Tasse Kaffee.

Heute kann er sich an Kleinigkeiten erfreuen: Ein Spaziergang, ein Lächeln, das ihm geschenkt wird – all dies löst bei ihm bereits ein Glücksgefühl aus. Das Leben machte ihn zufrieden, dankbar und empfänglich fürs kleine Glück. Aber es verlief nicht so, wie er es sich als junger Mensch vorgestellt hatte. „Es hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich wollte glücklich sein. Aber dann kamen die Schicksalsschläge.“

Schrumpfniere

Als Kind war Fritz oft krank. „Eine Untersuchung ergab, dass ich eine Schrumpfniere hatte. Ich war 15, als man sie herausoperierte.“ Im selben Jahr verlor der gebürtige Götzner seinen Bruder Roland. Fritz war gerade auf Erholung, als ihn die Hiobsbotschaft ereilte. „Roland starb auf der Straße. Er wurde von einem Auto niedergefahren.“ Der Verlust des älteren Bruders traf Fritz schwer. „Roland war mein Vorbild. Er war Automechaniker und ich ein Autofan.“

Beruflich wurde Fritz Mayer mehrmals gezwungen, neu anzufangen. Weil er von der Welt etwas sehen wollte, begann er zunächst als Lkw-Fahrer zu arbeiten. Später war er als Chauffeur tätig. „16 Jahre lang habe ich meinen Chef und Geschäftskunden gefahren.“ Mit 45 ließ er sich zum Fahrlehrer ausbilden. Viele Jahre brachte er mit Begeisterung jungen Menschen das Autofahren bei.

Schwerer Verkehrsunfall

Gegen Ende seines Arbeitslebens war er mit einem 480-PS-Sattelzug unterwegs. Ein folgenschwerer Verkehrsunfall, in den er unverschuldet verwickelt war, führte schließlich dazu, dass er mit 59 Jahren die Invalidenrente beantragte. „Ein Lkw fuhr im Pfändertunnel auf mich auf. Der Fahrer hat mit dem Handy telefoniert. Ich wurde bei dem Unfall schwer verletzt.“

Fritz musste oft neu anfangen, nicht nur im Beruf, auch in der Liebe. Seine erste Ehe mit Ingrid hielt 24 Jahre. „Sie hat mir vier gesunde Kinder geschenkt. Dafür bin ich ihr heute noch dankbar.“ Später heiratete er nochmal, aber nach einem Jahr war alles aus. Zuletzt ging bei ihm eine elfjährige Beziehung zu Bruch. Mit seiner letzten Gefährtin reiste er viel und lernte die Welt kennen. Auch das erfüllt ihn im Nachhinein mit großer Dankbarkeit.

Schlaganfall auf Kuba

Fritz hat viele Gründe, um dankbar zu sein. Er sprang dem Tod gleich ein paar Mal von der Schaufel. 2015 erlitt er in Kuba einen leichten Schlaganfall. „Ich konnte nicht mehr richtig gehen.“

Zwei Jahre später wurde er mit Blaulicht ins Spital gefahren, nachdem im Zuge einer MRT-Untersuchung in seinem Kopf ein Blutgerinnsel entdeckt wurde. „Ich wurde sofort operiert.“ Es blieb nicht bei dieser einen Operation. „Insgesamt musste ich vier Mal am Kopf operiert werden.“ Das Blutgerinnsel hatte sich gebildet, weil Fritz sich bei Holzarbeiten den Kopf angeschlagen hatte.

2020 erlitt Fritz abermals einen Schlaganfall und überlebte auch diesen. Versonnen blickt der 72-Jährige auf die flackernden Kerzen. Dann sagt er plötzlich in den Raum hinein: „Ich habe immer gekämpft und versucht, das Leben nicht zu schwer zu nehmen.“ VN-KUM

Mayer zündet aus Dankbarkeit jeden Tag vier Kerzen an. VN/Paulitsch
Mayer zündet aus Dankbarkeit jeden Tag vier Kerzen an. VN/Paulitsch
Seit seiner Jugend sammelt er Miniatur-Autos. Inzwischen hat er 300 daheim.
Seit seiner Jugend sammelt er Miniatur-Autos. Inzwischen hat er 300 daheim.