Tödliches Wochenende in Westösterreich

Vorarlberg / 06.02.2022 • 21:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Berg- und Flugretter waren am Wochenende verstärkt im Lawineneinsatz, so wie hier in Damüls. Hofmeister
Die Berg- und Flugretter waren am Wochenende verstärkt im Lawineneinsatz, so wie hier in Damüls. Hofmeister

Neun Menschen starben in Lawinen, einer davon in Vorarlberg. Experte warnt vor kritischen Situationen in der ersten Wochenhälfte.

Stuben, Innsbruck Bereits am Freitag verstarben in Westösterreich acht Menschen durch Lawinenabgänge. Bei Stuben verunglückte ein Vorarlberger am Knödelkopf tödlich. Der 43-Jährige war in einer Gruppe aus vier Personen, darunter ein staatlich geprüfter Snowboardführer, im freien Gelände unterwegs. Einen steilen Hang befuhr jeder der versierten Freerider einzeln, beim zweiten Skifahrer löste sich ein Schneebrett. Trotz ausgelösten Lawinenairbags wurde er mitgerissen und verschüttet. Seine Begleiter konnten ihn mit der mitgeführten Lawinenausrüstung in zwei Metern Tiefe orten und ausgraben, per Helikopter wurden Ersthelfer eingeflogen. So konnte zwar etwa 20 Minuten nach dem Unglück die Reanimation eingeleitet werden, jedoch vergebens.

Das Lawinenwochenende forderte in Tirol acht Leben: Am Freitag verstarben fünf Wintersportler in Spiss (die VN berichteten). In Auffach starben eine 61-jährige Frau und ihr 60-jähriger Gatte auf einer Skitour in einer Schneebrettlawine. Am Samstag verunglückte in Schmirn ein 58-jähriger Österreicher tödlich. Die Schweiz und Bayern melden je einen Lawinentoten.

Drei Lawineneinsätze am Samstag

Am Samstag folgten allein in Vorarlberg drei weitere Einsätze: Zwei Freerider wurden in Tschagguns im Bereich Verspala von einer Lawine erfasst. Der eine wurde nicht, der andere nur teilweise verschüttet. Sie konnten sich mit der mitgeführten Lawinenausrüstung selbst befreien und zur Talstation absteigen. In Damüls konnte ein Skifahrer ein Schneebrett und hineinführende Skispuren am Portlahorn ausmachen. Die Suchmannschaft musste per Helikopter in den Lawinenkegel geflogen werden. Eine Personenbeteiligung konnte jedoch ebenso ausgeschlossen werden wie in einem ähnlichen Fall in Sonntag-Stein. Hier führten ebenfalls Skispuren in die gesperrte und von einer Lawine verlegte Skiroute 3.

Allein bei diesen drei Einsätzen waren über 100 Helfer im Einsatz. Am Sonntag verbesserte sich die Lawinengefahr auf Gefahrenstufe „erheblich“ in Lagen oberhalb von 1800 Metern. Vor allem auf den Südhängen verfestigte sich der Schnee. In Schatten- und Nordlagen bleibe aber die Kombination von Schneebrettern und darunterliegenden grobkörnigen Schichten störungsanfällig.

Herbert Künz vom Lawinenwarndienst warnt jedoch vor einer Verschärfung durch die Niederschläge von Sonntag auf Montag. „Wir erwarten am Arlberg bis zu 50 Zentimeter Neuschnee sowie starken Wind. Dienstag und Mittwoch werden daher wieder kritischere Tage.“ Denn dann lockt wieder gutes Wetter die Wintersportler in den frischen, aber unverfestigten Tiefschnee abseits der Piste. VN-RAU

„In den Nordhängen und Schattenlagen ist die Situation immer noch kritisch.“