„Wilde Immunität allein ist kein Schutz“

Für Armin Fidler führt weiterhin kein Weg an der Coronaimpfung vorbei.
Bregenz Die Coronazügel sollen weiter gelockert, Frühling und Sommer wieder ein unbeschwerteres Dasein bringen. Die Frage, ob es in Hinblick auf den Herbst einen Booster-Booster braucht, um vor einer Infektion geschützt zu sein, treibt dennoch viele um. Allerdings sind sich, wie berichtet, nicht einmal die Fachleute eins. So erteilte beispielsweise der Leiter der Abteilung für Impfstrategie in der Europäischen Arzneimittelkommission (EMA) einer Auffrischungsimpfung eine deutliche Absage. Er befürchtet gar eine Überforderung des Immunsystems.
Bei Armin Fidler ruft diese Aussage nur Kopfschütteln hervor. „Man kann das Immunsystem nicht überfordern“, betont er und verweist darauf, dass sich dieses tagtäglich gegen Eindringlinge wie Viren, Pilze, Bakterien und Pollen zur Wehr setzen und Antikörper bilden muss. Der Gesundheitsexperte hält außerdem dagegen, dass eine sogenannte wilde Immunität nach einer Erkrankung allein nicht den Schutz bietet, wie das plus Impfung der Fall ist. Für ihn heißt das: „Auch mit Corona infizierte Leute sollten sich impfen lassen, weil dies den Schutz drastisch erhöht.“
Eins mit Nationalem Impfgremium
Was die vieldiskutierte Auffrischungsimpfung angeht, hält er es mit dem Nationalen Impfgremium, welches Personen über 60, solchen mit Vorerkrankungen und einer hohen Exposition, wie dies etwa beim medizinischen Personal der Fall ist, zum vierten Stich rät. Armin Fidler zieht zudem noch jene Personengruppe mit ein, deren Drittimpfung schon weit zurückliegt und die ebenfalls mit gesundheitlichen Risiken behaftet ist. Auf eine definitive Altersgrenze möchte er sich aber nicht festlegen: „Es gibt auch Fünfzigjährige mit einem schlechten Gesundheitszustand.“ Immer wieder gebrachte Argumente, wonach Daten aus Israel zeigten, dass die vierte Impfung nicht unbedingt besser schützt, relativiert Fidler: „Das hat damit zu tun, dass wir nach wie vor eine Impfung verwenden, die eigentlich für das Originalvirus kreiert worden ist. Von daher können wir nicht erwarten, dass sie für ein Virus, das inzwischen ganz anders aussieht, den gleichen Schutz liefert.“
Keine Sicherheit
Gleichzeitig verweist er auf den Nutzen der Grundimmunisierung: „Sie schützt zu 50 Prozent vor einer Infektion, zu 90 Prozent vor Hospitalisierung und zu 95 Prozent vor einem tödlichen Verlauf. Das sind schon sehr gute Zahlen.“ Fidler rechnet damit, dass bis im Herbst ein spezifischer Impfstoff gegen die Omikron-Variante zur Verfügung steht. Ihr gegenwärtiges Durchrauschen will er indes nicht als Sicherheit sehen. Armin Fidler geht zwar davon aus, dass die Durchseuchung in der Bevölkerung mittlerweile relativ hoch ist, trotzdem: „Man muss sich immer vor Augen führen, dass ständig ungeimpfte oder nur unvollständig geimpfte Kohorten, zum Beispiel Jugendliche, dazukommen und die Situation im Herbst wieder eine andere ist.“ Deshalb führt für ihn weiterhin kein Weg an der Impfung vorbei.
„Man kann das Immunsystem nicht überfordern. Es ist tagtäglich gefordert.“