Birgit Entner-Gerhold

Kommentar

Birgit Entner-Gerhold

Schlechte Optik

Vorarlberg / 21.02.2022 • 19:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Posse um Michael Linhart ist unwürdig. Wenn die Pflicht ruft, steht er parat. Keine Euphorie, kein Groll – er gibt alles für das Team „Republik“. Egal, mit wem man spricht: Negatives hört man über den Vorarlberger kaum. Zwar mag es die eine oder andere inhaltliche Meinungsverschiedenheit geben. Das tut aber nichts zur Sache.

Der Diplomat Linhart kam mitten in der vergangenen Regierungskrise von Frankreich zurück nach Wien, gab seinen renommierten Botschafterjob in Paris auf, um als Außenminister zur Verfügung zu stehen. Er folgte dem Ruf des damals neuen Kanzlers Alexander Schallenberg, der ursprünglich für den „zur Seite getretenen“ Sebastian Kurz den Platzhalter machen sollte. Linhart betonte, er wolle der Republik dort dienen, wo sie ihn brauche. 56 Tage später brauchte ihn die Politik offenbar nicht mehr. Schallenberg trat wieder als Außenminister an, nachdem Sebastian Kurz als Politiker tatsächlich abgetreten war.

56 Tage. Der Umzug aus Paris war kaum abgeschlossen. Zurück konnte Linhart nicht. Denn der Botschafterposten wurde bereits nachbesetzt. Wohin also mit dem Spitzendiplomaten? Die Lösung lautete Berlin, obwohl die Ausschreibung für den dortigen Job schon erledigt war. 14 Bewerberinnen und Bewerber waren als geeignet anerkannt worden, mit Michael Linhart kam indes der 15. zum Zug. Ohne Zweifel: Linhart ist qualifiziert. Mit Sicherheit hätte der Top-Diplomat auch als Botschafter in Deutschland einen guten Job gemacht.

Mittlerweile spricht Schallenberg von einem Fehler, den er bereue. Der Posten werde neu ausgeschrieben, damit alles seine Richtigkeit habe. Das ist gut so. Besser eine späte Erkenntnis als gar keine. Fair sind all diese Vorgänge aber nicht. Nicht gegenüber Linhart, der als Außenminister bereitstand, als es ihn brauchte, und um den ohne sein Zutun nun ordentlicher Wirbel herrscht; auch nicht gegenüber all den ursprünglichen Bewerberinnen und Bewerbern und jenen, die sich mit der Ausschreibung beschäftigt haben. Ihre Bemühungen waren – zumindest bislang – umsonst. 

Die Besetzung des Botschafterpostens in Berlin hinterlässt am Ende keine gute Optik. Das hat niemand verdient, weder Linhart noch die Österreicherinnen und Österreicher.

„Besser eine späte Erkenntnis als gar keine. Fair sind all diese Vorgänge aber nicht.“

Birgit Entner-­Gerhold

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