Warum Schuldirektoren keine externen Prüfungen an ihrem Standort wollen

Vorarlberg / 03.03.2022 • 14:00 Uhr
Warum Schuldirektoren keine externen Prüfungen an ihrem Standort wollen
Die Coronamaßnahmen an den Schulen veranlassten einige Eltern dazu, ihre Kinder in den häuslichen Unterricht zu beordern. VN/Serra

300 Kinder im häuslichen Unterricht müssen am Schuljahresende eine Prüfung ablegen.

Bregenz Häuslicher Unterricht. Wer wusste bis vor Corona schon, was das ist. Es betraf bis dahin ja auch nur ein paar Kinder und Jugendliche, die aus verschiedensten Gründen ein Jahr lang nicht an einem bestimmten Standort zur Schule gehen konnten, zu Hause unterrichtet wurden und am Ende eine Jahresprüfung zum Beleg ihrer geforderten schulischen Entwicklung ablegen mussten.

Mit Corona wurde das anders. Von rund 80 Kindern sprang die Zahl jener, die nicht mehr in die Schule kamen, auf weit über 400. Grund: Eltern verweigerten die gesetzten Coronamaßnahmen an den Bildungsstätten und meldeten ihre Kinder zum häuslichen Unterricht an. Jetzt sind es noch 300 Schüler, die in diese Kategorie fallen. Mit deren Eltern gab es kürzlich Reflexionsgespräche über den Entwicklungsstand der Kinder und die anstehende Externistenprüfung.

Gute Reflexionsgespräche

Rund 90 Prozent der betroffenen Eltern nahmen das Gesprächsangebot an. Die von vn.at befragten Direktorinnen und Direktoren berichteten von konstruktiven Dialogen. Doch ein Problem trat dabei zwischen der Bildungsdirektion und vielen Schulen auf. Es betrifft den Ort der Externistenprüfungen. “Die vorherrschende Haltung von uns Direktoren ist klar: Wir wollen nicht, dass die Externistenprüfungen an unseren Schulen stattfinden. Es soll zentrale und unabhängige Standorte mit zentralen Prüfern dafür geben”, berichtet Johanna Aschbacher (52), Direktorin der Volksschule Levis in Feldkirch. “Die Kolleginnen und Kollegen wünschen sich für die Prüfungen völlige Unbefangenheit. Wir wissen ja um die oft sehr kritische Haltung jener Eltern, die ihre Kinder wegen der Coronamaßnahmen nicht mehr in die Schule ließen. Und auch wenn die ihre Kinder gerne an der Standortschule geprüft sehen würden und dabei das Argument bringen ‘Ihr kennt die Kinder am besten’, so sagen wir: Nein, wir kennen sie nicht mehr, weil sie kommen ja nicht mehr in die Schule”, so Aschbacher.

Disput über Standort

Susanne Speckle (45), Schulqualitätsmanagerin der Bildungsdirektion und für die Externistenprüfungen zuständig, verteidigt die vom Land via Verordnung festgelegte Standortbestimmung. “Wir haben uns das lange überlegt, ehe wir als Standorte die für die Kinder zuständigen Sprengelschulen bestimmt haben. Es betrifft ja nur einzelne Schüler pro Standort, und es wäre schwierig, für die Zeit der Externistenprüfungen zentrale Standorte mit den benötigten Ressourcen zu finden”, argumentiert Speckle. Das Thema werde mit den betroffenen Schulen und Schulleitern jedoch kommende Woche noch einmal erörtert.

Noch Zeit für Rückkehr

Die Externistenprüfung für Kinder im häuslichen Unterricht ist eine kommissionelle Prüfung. In den Volksschulen ist diese für Schüler der ersten bis dritten Klasse ausschließlich mündlich, in der vierten Klasse besteht sie wie in der Sekundarstufe aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil. Die Prüfungen müssen positiv ausfallen und den Beleg für das Erreichen des Lernziels der jeweiligen Schulstufe dokumentieren. Fallen die Schüler durch, dürfen sie für das nächstfolgende Schuljahr keinen Antrag mehr auf häuslichen Unterricht stellen.

Noch können Eltern ihre Kinder wieder in die Schule schicken. Aber das sollten sie bald tun.”

Susanne Speckle, Schulqualitätsmanagerin

Noch besteht für die vom Standort abgemeldeten Schüler die Möglichkeit, in den Präsenzunterricht zurückzukehren und auf herkömmlichem Weg ein Zeugnis zu bekommen. “Aber dann sollten die Eltern ihre Kinder bald einmal wieder in die Schule schicken, damit die Lehrer auch noch zu Entscheidungsgrundlagen für die Noten kommen”, hofft Speckle auf eine weitere Rückkehrerwelle an die Schulen. Was sie diesbezüglich optimistisch stimmt: “Die Coronamaßnahmen werden ja jetzt sukkzessive gelockert.”